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Rechtsextremismus: Brutaler Überfall auf Theaterensemble

Fünf Mitglieder eines Theaterensembles sind im sachsen-anhaltischen Halberstadt von einer Gruppe vermutlich rechtsextremer Täter angegriffen worden. Die grausige Bilanz: schwere Kieferverletzungen, herausgeschlagene Zähne, Augenverletzungen, gebrochene Nasen.

Halberstadt - Sie wollten ihre Premiere feiern - und wurden Opfer brutaler Schläger. Gegen 3 Uhr morgens seien fünf Mitglieder eines Theaterensembles vor einer Kneipe angegriffen worden, sagte ein Polizeisprecher aus Halberstadt zu SPIEGEL ONLINE. Die insgesamt acht Täter seien dem äußeren Anschein nach dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen. Fünf Ensemblemitglieder mussten im Krankenhaus behandelt werden, einer liege mit einer Kieferverletzung noch immer in der Klinik, so die Polizei. Die anderen hätten Augen- und Zahnverletzungen davon getragen.

"Nach dem bisherigen Ermittlungsstand gehen wir davon aus, dass die Angreifer einen der Theaterleute, der einen Irokesenschnitt trägt, als Linken identifiziert und danach losgeprügelt haben", erklärte der Sprecher.

Einer der Täter ist der Polizei bekannt. "Es handelt sich um einen 22-Jährigen aus der rechtsextremen Szene", so der Sprecher. Gegen ihn sei ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung eingeleitet. Über die anderen Täter gebe es noch keine abschließenden Erkenntnisse. Die Ermittlungen seien am Laufen. "Wir suchen mit Hochdruck nach den übrigen sieben Täter", erklärt die Polizei gegenüber SPIEGEL ONLINE. Es gebe eine "feste rechte Szene" in Halberstadt.

"Noch am Morgen ist Blut auf der Straße gewesen", sagt Aud Merkel, Chefdramaturgin des Nordharzer Städtebundtheaters, zu SPIEGEL ONLINE. Die Ensemblemitglieder hätten ihr den Vorfall geschildert. Etwa zehn Tänzer, Musiker und Statisten des Ensembles seien nach einer Premierenfeier auf dem Nachhauseweg an der Kneipe "Spucknapf" in Halberstadt vorbeigegangen, als aus einem leerstehenden Clubhaus eine Gruppe Männer herausgestürmt kam. Sie hätten sofort und "sehr brutal" auf insgesamt fünf Mitglieder des Ensembles eingetreten und geschlagen. "Die Zeugen beschrieben die Täter als trainierte Schlägertypen, die in die Luft sprangen, gezielt traten und ins Gesicht schlugen", so Merkel.

Nach den Schilderungen seien noch Besucher des "Spucknapf" dazu gekommen und hätten mitgeprügelt. Die Kneipe gelte als Treffpunkt für Rechte. "Die Zeugenangaben über die Zahl der Täter schwankt zwischen sieben und fünfzehn", erklärte die Dramaturgin.

Unterdessen erheben die Opfer schwere Vorwürfe gegen die nach der Schlägerei anwesenden Polizisten. Die Polizei habe trotz mehrfacher Aufforderung nicht schnell genug nach den Tätern gesucht, erklärt Aud Merkel die Anschuldigungen. Die Opfer würden nun rechtliche Schritte gegen die jeweiligen Beamten einleiten.

Die betroffenen Tänzer, Musiker und Statisten gehören zur Crew des Musicals "Rocky Horror Show", das gestern Abend im Harzer Bergtheater Thale Premiere feierte. Die für heute geplante Vorführung musste abgesagt werden. Die fünf Verletzten könnten schon aus körperlichen Gründen nicht auftreten, der Rest der Ensemblemitglieder, die Zeugen des Überfalls wurden, seien geschockt, so Merkel.

anr

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