Bundesgerichtshof Reemtsma-Entführer Drach bleibt im Gefängnis

Der Reemtsma-Entführer hatte auf Freispruch gehofft - jetzt bleibt Thomas Drach laut Entscheidung des Bundesgerichtshofs weitere 15 Monate im Gefängnis. Das im November vergangenen Jahres gefällte Urteil wegen versuchter Anstiftung zur räuberischen Erpressung ist damit rechtskräftig.

Reemtsma-Entführer Thomas Drach (2000): Er bleibt in Haft
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Reemtsma-Entführer Thomas Drach (2000): Er bleibt in Haft


Hamburg - Das Hamburger Landgericht hatte Drach im November 2011 wegen versuchter Anstiftung zur räuberischen Erpressung verurteilt, der 52-Jährige hatte dagegen Berufung eingelegt. "Der Bundesgerichtshof in Leipzig hat die Revision des Angeklagten als unbegründet verworfen", so Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers.

Das Gericht hatte Drach wegen versuchter Anstiftung zur räuberischen Erpressung zu einem Jahr und drei Monaten Haft verurteilt. Der Reemtsma-Entführer hatte nach Überzeugung der Richter 2009 mit zwei Briefen aus der Haft heraus versucht, einen Bekannten zur Erpressung seines jüngeren Bruders zu bringen. Es sei bei der Straftat um die Beute aus der Reemtsma-Entführung gegangen, die keinem der beiden Brüder zustehe, hieß es in der Urteilsbegründung: Drach habe Angst gehabt, dass sein Bruder sich die Lösegeld-Millionen unter den Nagel reiße.

Eigentlich sollte der 52-Jährige am 21. Juli dieses Jahres nach langer Haft aus dem Gefängnis entlassen werden. Dann hätte er seine vierzehneinhalb Jahre wegen der Reemtsma-Entführung abgesessen. Durch das neue Urteil ist dieser Termin nun gekippt worden.

Drach und seine Komplizen hatten den Millionenerben Jan Philipp Reemtsma im Frühjahr 1996 vor seinem Haus in Hamburg-Blankenese überwältigt. Viereinhalb Wochen lang hielten sie ihn in einem Verlies in der Nähe von Bremen fest - angekettet und in Todesangst. Gegen 15 Millionen Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken kam er schließlich frei. Nur ein Bruchteil der Beute ist bisher aufgetaucht.

Die Staatsanwaltschaft hatte bei dem Prozess im November zweieinhalb Jahre Haft und Sicherungsverwahrung verlangt. Eine Sicherungsverwahrung konnte nicht verhängt werden, weil Drach zu weniger als zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurde.

lei/dpa



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