Regensburg Lehrerin wegen sexuellen Missbrauchs zu Bewährungsstrafe verurteilt

Eine wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines 13-jährigen Schülers verurteilte Lehrerin muss nun doch nicht hinter Gitter: In der Berufungsinstanz reduzierte das Landgericht Regensburg die zweieinhalbjährige Freiheitsstrafe auf zwei Jahre und setzte diese zur Bewährung aus.


Regensburg - Mit dem Urteilt blieb das Gericht am unteren Ende des Strafrahmens, der für solchen schweren sexuellen Missbrauch eine Strafe von zwei bis 15 Jahren vorsieht. Die Jugendkammer, die wegen des Alters des Opfers für den Fall zuständig war, hielt der Frau zu Gute, dass sie in dem neuen Prozess ein uneingeschränktes Geständnis ablegte. Damit habe sie dem missbrauchten Jungen eine weitere Aussage vor Gericht erspart, sagte der Kammervorsitzende Karl Iglhaut. In dem Verfahren vor dem Regensburger Amtsgericht im Herbst 2005 hatte die Frau die Vorwürfe nur zum Teil eingeräumt. Das Kind musste deshalb als Zeuge gehört werden.

Die Pädagogin Claudia G.: Vermummt in den Gerichtssaal
DPA

Die Pädagogin Claudia G.: Vermummt in den Gerichtssaal

Hintergrund der Entscheidung waren außerdem gravierende Änderungen im Privatleben der 33-Jährigen. Vor sieben Wochen hatte die Frau ein Baby zur Welt gebracht. Weinend flehte sie das Gericht an, das "kleine Glück" ihrer Familie nicht zu zerstören.

Als Klassen- und Vertrauenslehrerin hatte die Pädagogin einer Schwandorfer Hauptschule den 13-Jährigen und einen gleichaltrigen Mitschüler an einem Samstagabend in ihr Wohnhaus eingeladen. Sie hatte den Kindern Bier, Whisky und Alkopops gegeben und sich schließlich zu ihrem Lieblingsschüler ins Bett gelegt, während nebenan in dem Doppelbett dessen Klassenkamerad schlief. "Ich war damals ziemlich verliebt in ihn, ich habe für ihn geschwärmt", sagte die Frau. Der Junge habe sie an ihren ersten Freund erinnert, dabei sei sie "naiv und dumm" gewesen. "Sie hatte jeden Realitätssinn verloren", erklärte ihr Verteidiger, der Münchner Anwalt Steffen Ufer. Mittlerweile habe sie eine Therapie gemacht und arbeite nun als Seminar-Managerin.

Im ersten Prozess hatte Claudia G. ausgesagt, sie habe "aus einem Strudel an Emotionen" ihrem Verlangen nicht mehr Einhalt gebieten können. Das Schöffengericht des Amtsgerichts Regensburg war daraufhin in der ersten Instanz wegen strafverschärfender Gründe über das gesetzliche Mindeststrafmaß hinausgegangen und hatte die Frau zu einer Gefängnisstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt.

Nach Bekanntwerden des Falls musste die Pädagogin sofort den Schuldienst quittieren.

jjc/dpa/ddp



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