Missbrauch in der katholischen Kirche Betroffene werfen Fürstin Gloria Schmähreden vor

Gloria von Thurn und Taxis gilt als strenggläubige Katholikin. Im Skandal um die Regensburger Domspatzen nimmt sie ihre Kirche in Schutz. Das macht Opfer wütend.

Gloria von Thurn und Taxis
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Gloria von Thurn und Taxis


Nach dem Bericht über Missbrauch und Gewalt bei den Regensburger Domspatzen haben Betroffene der Fürstin Gloria von Thurn und Taxis Verharmlosung vorgeworfen. Die Adlige hatte dem Bayerischen Rundfunk gesagt, es sei "totaler Schmarrn" zu behaupten, die katholische Kirche als Institution habe Missbrauch ermöglicht. "Man geht gerne auf die Kirche los, und das ist ein gefundenes Fressen." Schläge seien darüber hinaus früher ganz normal gewesen.

"Auch schon vor 40 Jahren waren schwere Körperverletzung, Folter, Erniedrigung und sexuelle Gewalt gegen Kinder strafbar", sagt Matthias Katsch, Mitglied im Betroffenenrat beim Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung. Es gehe im Fall der Domspatzen "um systematische Gewalt gegen Kinder, vergleichbar mit einem Straflager". Mit ihren Aussagen habe sich die Fürstin "als empathie- und verständnislos entlarvt".

547 Opfer von Gewalt

In dieser Woche hatte der Rechtsanwalt Ulrich Weber einen Abschlussbericht zu dem Skandal vorgelegt. Demnach wurden bei dem weltberühmten Knabenchor unter dem Dach der katholischen Kirche insgesamt 547 Kinder Opfer von Gewalt. Bei 67 Kindern ging es auch um sexuellen Missbrauch. Die Untersuchung umfasst Fälle, die zwischen 1945 und Anfang der Neunzigerjahre geschahen.

Katsch sagte, die Gewalt bei den Domspatzen habe System gehabt. "Darum geht es." Die Betroffenen hätten "relativierende Schmähreden von adligen Damen" nicht verdient. Alexander Probst, Betroffenen-Sprecher der Domspatzen, sagte dem Bayerischen Rundfunk, die Fürstin solle es "für alle Zukunft unterlassen, dumme und undifferenzierte Aussagen zu treffen", wenn sie keine Ahnung habe.

Gloria von Thurn und Taxis meldet sich immer wieder als konservative Katholikin zu Wort. Vor einigen Jahren behauptete sie in einer TV-Sendung, in Afrika gebe es ein Aids-Problem, "weil der Schwarze gerne schnackselt".

sms



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