"Reichsbürger"-Prozess in Nürnberg Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft

Wolfgang P. soll für den Mord an einem Polizisten lebenslang in Haft. Das hat die Staatsanwaltschaft im Prozess gegen den mutmaßlichen "Reichsbürger" gefordert.

Wolfgang P. (Archivfoto)
DPA

Wolfgang P. (Archivfoto)


Mord, versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung: Die Vorwürfe gegen Wolfgang P., der einen Polizisten erschossen haben soll, wiegen schwer. Im Prozess gegen den mutmaßlichen "Reichsbürger" vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth hat die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft für den 50-Jährigen gefordert. Zudem beantragte die Anklage in ihrem Plädoyer, die besondere Schwere der Schuld festzustellen. Das würde eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ausschließen. Der Angeklagte habe aus Heimtücke und niederen Beweggründen gehandelt, sagte Staatsanwalt Matthias Held.

"Reichsbürger" erkennen die Bundesrepublik nicht an. Sie sprechen dem Grundgesetz, den Behörden und Gerichten die Legitimität ab und akzeptieren keine amtlichen Bescheide.

SPIEGEL TV Magazin über Reichsbürger (23.10.2016)

Die Polizei wollte dem von den Behörden als unzuverlässig eingestuften P. vor einem Jahr bei einer Razzia seine etwa 30 Waffen abnehmen. P. eröffnete beim Sturm auf seine Wohnung aber unmittelbar das Feuer. Ein Polizist starb, zwei wurden verletzt. Im Prozess gestand P. die Schüsse, er bestreitet aber eine Tötungsabsicht. Er sei von einem Überfall und nicht von einem Polizeieinsatz ausgegangen.

Die Staatsanwaltschaft nimmt ihm diese Version nicht ab. Der tödlich getroffene Beamte habe versucht, in dem Anwesen die verschlossene Tür zur Wohnung von P. zu öffnen, als plötzlich Schüsse gefallen seien, sagte Staatsanwalt Held. Er warf P. vor, seine Tat von langer Hand geplant zu haben. So habe der Angeklagte einem Zeugen gesagt, er rechne mit der Polizei - "und dann nehm ich ein paar von denen mit."

Bei einem befreundeten Polizisten habe sich P. auch erkundigt, ob polizeiliche Maßnahmen gegen ihn geplant seien, sagte Held. Reuebekundungen des Angeklagten wies die Staatsanwaltschaft als Manöver zurück. Der Angeklagte sei "ein nicht unbegabter Schauspieler", sagte Held.

P. soll intensive Kontakte zu dem in Sachsen-Anhalt lebenden Adrian U. gepflegt haben, der ebenfalls als "Reichsbürger" gilt. U., ein früherer Mister Germany, steht unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte sowie Verstößen gegen das Waffengesetz vor Gericht. Aus Chatnachrichten gehe hervor, dass er und P. sich "militärische und politische Unterstützung" zugesichert hätten, sagte Staatsanwalt Held.

Die als Nebenkläger auftretenden Eltern des getöteten 32 Jahre alten Beamten eines Spezialeinsatzkommandos schlossen sich dem Plädoyer der Anklage an. Die Verteidigung soll am Freitag ihr Plädoyer halten. Ein Urteil könnte dann am Montag fallen.

ulz/AFP/dpa

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.