Ermordeter Polizist Lebenslange Freiheitsstrafe für "Reichsbürger"

Der sogenannte Reichsbürger von Georgensgmünd ist zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Landgericht in Nürnberg wertete die tödlichen Schüsse des Mannes auf einen Polizisten als Mord.

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Das Landgericht Nürnberg-Fürth hat den zur "Reichsbürger"-Szene zählenden Wolfgang P. wegen Mordes an einem Polizisten zu lebenslanger Haft verurteilt. Außerdem befand das Gericht den 50-Jährigen wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung für schuldig.

Wolfgang P. hatte bei einem Polizeieinsatz Mitte Oktober 2016 auf Beamte eines Spezialeinsatzkommandos geschossen. Dabei starb ein Polizist, zwei weitere wurden verletzt. Die Spezialeinheit sollte helfen, dierund 30 Waffen im Haus von P. zu beschlagnahmen. Denn bei den Behörden galt der Jäger als nicht mehr zuverlässig.

Staatsanwalt Matthias Held hatte dem 50-Jährigen in seinem Plädoyer vorgeworfen, einen Angriff auf Polizisten von langer Hand geplant zu haben. Aus dem Hinterhalt habe er an jenem Morgen elfmal auf die Beamten geschossen - mit dem Ziel, möglichst viele von ihnen zu verletzen und zu töten.

Der Staatsanwalt hatte außer einer lebenslangen Freiheitsstrafe auch die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert, womit eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen gewesen wäre.

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"Reichsbürger"-Prozess in Nürnberg: Der Fall Wolfgang P.

Wolfgang P.s Verteidigung hatte dagegen eine Tötungsabsicht bestritten und eine zeitlich begrenzte Freiheitsstrafe gefordert. Anwältin Susanne Koller kritisierte den Einsatz der Polizisten als "dilettantisch" und unnötig. Wolfgang P. hatte den Gerichtssaal vor der Urteilsverkündung mit einem Lächeln betreten. Die Entscheidung der Richter nahm er regungslos zur Kenntnis.

Der Fall hat ein Schlaglicht auf die Bewegung der "Reichsbürger" geworfen, die noch vor rund einem Jahr meist nur Insidern der Sicherheitsbehörden ein Begriff waren. Seither gab es bundesweit zahlreiche Razzien gegen Anhänger der Szene.

SPIEGEL TV Magazin über Reichsbürger (23.10.2016)

Die in etliche Kleingruppen zersplitterten "Reichsbürger" erkennen die Bundesrepublik und ihre Institutionen nicht an, für sie besteht das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 fort. Anhänger dieser Bewegung akzeptieren auch keine amtlichen Bescheide. P. selbst hatte Anfang 2016 im Einwohnermeldeamt seinen Personalausweis abgegeben.

fok/AFP/dpa

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