Suizid eines SEK-Beamten Soko "Reichsbürger" übernimmt Ermittlungen

In Nürnberg hat sich ein SEK-Beamter erschossen, der bei dem fatalen Einsatz gegen einen "Reichsbürger" in Georgensgmünd dabei war. Gibt es einen Zusammenhang?

Beamte im Oktober in Georgensgmünd
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Beamte im Oktober in Georgensgmünd

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Der Suizid eines Beamten des Spezialeinsatzkommandos (SEK) Nordbayern war möglicherweise eine Reaktion auf den Tod eines Kollegen, der im Oktober bei einem Einsatz in Georgensgmünd von einem "Reichsbürger" erschossen worden war. Der 45-jährige Polizist war bei dem tragischen Einsatz dabei und trug sogar Mitverantwortung (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier).

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Heft 5/2017
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Damals hatte ein Spezialeinsatzkommando am frühen Morgen die Wohnung von Wolfgang P. im fränkischen Georgensgmünd gestürmt, um nach illegalen Waffen zu suchen. P. stand bereits mit schusssicherer Weste hinter der Wohnungstür und feuerte auf die Beamten im Treppenhaus. Einen traf er tödlich.

Seither bemühen sich Fahnder herauszufinden, ob P. möglicherweise von dem Einsatz wusste und sich vorbereiten konnte. Die Ermittlungen einer Sonderkommission der Kriminalpolizei Schwabach zu dem Fall hatten ergeben, dass Wolfgang P. Chat-Kontakte zu einem 50-jährigen Kommissar aus einer nahe gelegenen Kleinstadt hatte. Der Beamte war deswegen suspendiert worden, seit Kurzem wird gegen ihn ermittelt. Er habe damit rechnen können, dass P. bei dem Polizeieinsatz die Waffe gegen Kollegen richten würde, und hätte davor warnen müssen, so der Vorwurf.

Offenbar kurz nachdem die Ermittlungen intern bekannt geworden waren, erschoss sich der 45-jährige SEK-Beamte am Freitag vergangener Woche in der Nähe seiner Dienststelle in Nürnberg in seinem Auto. Die Polizei geht nun offenbar Hinweisen nach, der Suizid könne mit dem Einsatz in Georgensgmünd zusammenhängen. Der suspendierte Kommissar soll enge private Kontakte zu einigen SEK-Kollegen gepflegt haben - ob auch zu dem 45-Jährigen, ist noch unklar.

Ein Motiv für den Suizid ist derzeit nicht erkennbar. Möglicherweise gab sich der 45-Jährige auch die Schuld für den tragischen Ablauf des Einsatzes in Georgensgmünd. Ursprünglich hatte die zuständige Kriminalpolizei in Nürnberg die Ermittlungen zu dem Suizid übernommen. Nachdem das Handy des toten SEK-Beamten gefunden worden war, seien die Ermittlungen jedoch an die Soko "Reichsbürger" in Schwabach abgegeben worden, heißt es in Ermittlerkreisen. Staatsanwaltschaft und Polizei schweigen zu dem Fall.

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