Bayern Waffen und Munition von "Reichsbürger" Wolfgang P. gefunden

Kistenweise Kugeln und mehrere Langwaffen: Diesen Fund hat ein Passant in Franken gemacht - offenbar sind es Waffen des "Reichsbürgers" Wolfgang P, der vergangene Woche einen Polizisten getötet hat.

Haus von Wolfgang P. in Georgensgmünd
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Haus von Wolfgang P. in Georgensgmünd


Ermittler haben mehrere Kisten mit Munition sowie mehrere Waffen des "Reichsbürgers" Wolfgang P. aus Mittelfranken geborgen. Bereits am Montagmorgen habe ein Passant zwischen Rednitzhembach und Schwanstetten den Zufallsfund gemacht, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Nürnberg. Der Fundort liege etwa 20 Kilometer von Georgensgmünd entfernt, wo P. vor gut einer Woche einen Polizisten erschossen hatte.

Über die P.s Waffenbesitzkarte hätten die Langwaffen zweifelsfrei dem 49-Jährigen zugeordnet werden können, hieß es weiter. Wolfgang P. hatte am Mittwoch vergangener Woche bei einer Razzia auf vier Beamte geschossen und dabei einen 32-jährigen Polizisten getötet. Die "Bild"-Zeitung hatte zuerst über den jetzigen Fund berichtet.

Wie viel Munition und wie viele Waffen genau gefunden wurden, sagte die Sprecherin nicht. Die Waffen lagen auf dem Deckel einer Kiste im Freien. Der 49-Jährige habe insgesamt und 30 Waffen besessen, sagte die Sprecherin - es sei jedoch nur ein Teil davon bei der Razzia in seinem Haus sichergestellt worden.

Die Polizei gehe davon aus, dass die Kisten und Waffen erst kurz vor dem Fund am Montagmorgen dort abgestellt wurden. "Die Kisten waren nicht zu übersehen", sagte die Sprecherin.

Wolfgang P. könne die Kisten nicht selbst an den Fundort gebracht haben, da er am Tag der Razzia festgenommen worden sei und seitdem in Untersuchungshaft sitze. "Das muss jemand anders dort abgestellt haben", sagte die Sprecherin. Die Ermittler suchen nun dringend nach Zeugen, die in den frühen Morgenstunden des 24. Oktober am Fundort verdächtige Menschen oder Fahrzeuge gesehen haben.

Seit den tödlichen Schüssen von Wolfgang P. debattieren Politiker über mögliche Konsequenzen. Man dürfe Anhänger der Szene "nicht als Verrückte verharmlosen", sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger am Donnerstag. "Das gilt ganz besonders dann, wenn Angehörige der sogenannten Reichsbürger legal in den Besitz von Waffen gekommen sind."

"Reichsbürger" erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht als souveränen Staat an, sprechen dem Grundgesetz, Behörden und Gerichten die Legitimität ab und akzeptieren auch amtliche Bescheide nicht. Die Anhänger fielen in der Vergangenheit auch dadurch auf, dass sie Steuern und Abgaben nicht zahlen wollten.

Bayerns Innenminister Joachim Hermann hatte zuletzt angeregt, neben dem Entzug der Waffenerlaubnis den "Reichsbürgern" auch das Halten von Kampfhunden zu untersagen. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums betonte jedoch, dass ein Entzug des Waffenscheins im Einzelfall zu begründen sei. Derzeit würden bundesweit "Reichsbürger" überprüft. Möglicherweise könne diesem Personenkreis aufgrund neuer Erkenntnisse dann künftig ein Waffenschein verweigert werden.

mxw/dpa

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