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Programm in US-Gefängnis: Miezen für die Knackis

Katze an der Leine beim Freigang, Katze in der Zelle: In einem US-Gefängnis leben Häftlinge und Stubentiger gemeinsam. Das soll der Resozialisierung dienen - von Insassen und Tieren.

Konzept in US-Gefängnis: Katzen im Knast Fotos
AP

Yacolt - Natalie geht es im Gefängnis besser als jemals zuvor. Sie wird umsorgt, liebevoll gepflegt, geht spazieren - alles dank der Häftlinge, die sich um die Katze kümmern. Seit einigen Wochen leben Natalie und ein weiterer Stubentiger in der Justizvollzugsanstalt Larch Correctional Facility im US-Bundesstaat Washington. Die Tiere werden jeweils von zwei Häftlingen betreut, "in der Hoffnung, dass die Beziehungen zu besserem Verhalten führen - sowohl bei den Insassen als auch den Katzen", schreibt die "Seattle Times".

Die Häftlinge bekommen einen kleinen Lohn dafür, die Katzen an den Umgang mit Menschen zu gewöhnen. Es ist die Voraussetzung, damit die Tiere später vermittelt werden können. Sie kommen von der Organisation "Cuddly Catz", frei übersetzt etwa "Knuddelige Katzen", die sich um ausgesetzte und verwilderte Tiere kümmert.

Natalie kratzte, biss, fauchte, landete schließlich im Tierheim und sollte eingeschläfert werden - bis sie ins Gefängnis kam. Hier lernt die langhaarige schwarze Katze nun Manieren, hat täglich Auslauf und lebt mit Häftlingen in deren Zelle.

"Man freundet sich mit ihnen an"

Davon profitieren nicht nur die Tiere: Für Häftling Joey Contreras, 28, war Natalies Ankunft im März zugleich die Chance, aus einem 40-Mann-Schlafsaal in eine kleinere Zelle umziehen zu können. Jetzt lebt er nur mit einem anderen Häftling zusammen, sie kümmern sich abwechselnd um Natalie. "Niemand wollte sie aufnehmen", sagt Contreras. "Wir haben sie bekommen, und seither ist es super." Inzwischen lasse sich Natalie - im Gegensatz zu früher - streicheln, bürsten und sogar auf den Arm nehmen.

Die zweite Katze im Programm, Clementine, wird von Richard Amaro versorgt. Es bedeute mehr als nur die Flucht aus dem eintönigen Alltag, sagt er. "Man freundet sich mit ihnen an."

Um an dem Katzenprogramm teilnehmen zu können, müssen die Insassen sich gut benehmen. Sonst drohen der Verlust der Katze und die Rückkehr in den Trakt für die anderen Gefangenen.

Die Gefängnisberaterin Monique Camacho sagt, der Umgang mit den Katzen helfe dabei, den Insassen Teamgeist beizubringen. Normalerweise seien es die Häftlinge gewohnt, immer nur an sich zu denken.

ulz/AP

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