Eskalierte Zwangsräumung "Reichsbürger" wegen versuchten Mordes angeklagt

Als ein Spezialeinsatzkommando zur Zwangsräumung anrückte, fielen Schüsse, ein Polizist wurde verletzt: Ein "Reichsbürger" und früherer Mister Germany soll sich dafür wegen versuchten Mordes verantworten.

Polizeifahrzeuge bei Einsatz in Reuden (August 2016)
DPA

Polizeifahrzeuge bei Einsatz in Reuden (August 2016)


Knapp acht Monate nach dem massiven Widerstand eines "Reichsbürgers" gegen eine Zwangsräumung in Reuden in Sachsen-Anhalt hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Adrian U. werden versuchter Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte sowie Verstöße gegen das Waffengesetz zur Last gelegt. Ob und wann es zu einer Hauptverhandlung komme, sei derzeit noch nicht absehbar, teilte das Landgericht Halle mit.

U. wurde 1998 Mister Germany; der 42-Jährige ist Anhänger der "Reichsbürger"-Bewegung. Im vergangenen August soll er sich der angeordneten Zwangsräumung seines Grundstücks widersetzt haben. Dabei soll er auf einen der Polizisten geschossen haben, die zur Verstärkung der Gerichtsvollzieher eingesetzt waren. Das Geschoss soll bei dem Beamten eine Schürfwunde am Hals hinterlassen haben, nur wegen seiner Schutzkleidung sei er nicht tödlich verletzt worden.

U. verbüßt derzeit eine Ersatzfreiheitsstrafe. Er war damals selbst durch einen Schusswechsel mit der Polizei schwer verletzt worden. Der aus Reuden stammende Mann hatte eine erhebliche Menschenmenge gegen seine Zwangsräumung mobilisiert. Ein erster Versuch der Behörden war deshalb gescheitert. Bei dem eskalierten zweiten Versuch kamen etwa 200 Polizisten zum Einsatz. Auf der anderen Seite hatte U. ebenfalls Unterstützer, die die Polizei angriffen.

Selbsternannte "Reichsbürger" erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht als Staat an und fühlen sich nicht an die Gesetze der BRD gebunden. Sie behaupten, das Deutsche Reich bestehe fort. U. hatte laut "Mitteldeutscher Zeitung" auf dem Grundstück den Mini-Staat "Ur" ausgerufen.

ulz/AFP



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