Todeskandidat Richard Glossip Gericht verschiebt Hinrichtung in Oklahoma

Richard Glossip hätte sterben sollen, seine Verwandten standen schon vor dem Gefängnis. Doch die Gouverneurin von Oklahoma hat die Hinrichtung des verurteilten Mörders kurzfristig verschoben - schon wieder. Grund ist diesmal der tödliche Giftcocktail.

Verurteilter Glossip: Erneuter Aufschub der geplanten Hinrichtung
REUTERS/Oklahoma Department of Corrections

Verurteilter Glossip: Erneuter Aufschub der geplanten Hinrichtung


Erneut ist die Hinrichtung des US-Todeskandidaten Richard Glossip kurz vor ihrem Vollzug verschoben worden. Der 52-Jährige sollte am Mittwochnachmittag im Staatsgefängnis von Oklahoma wegen Mordes mit einer Giftinjektion hingerichtet werden. Doch Gouverneurin Mary Fallin gab kurzfristig einen Aufschub von 37 Tagen bekannt: Bis dahin solle geprüft werden, ob der geplante tödliche Giftcocktail rechtlich zulässig ist.

Glossip wurde wegen des Mordes am Motelbesitzer Barry Van Treese zum Tode verurteilt. An seiner Schuld gibt es allerdings erhebliche Zweifel, Prominente wie Oscarpreisträgerin Susan Sarandon setzen sich für ihn ein. Auch der Papst bat in einem Brief darum, die Todesstrafe nicht zu vollstrecken.

Treese war am 7. Januar 1997 in Oklahoma City erschlagen worden. Der 19-jährige Gelegenheitsarbeiter Justin Sneed gestand die Tat. In widersprüchlichen Aussagen behauptete er dann aber, Motelmanager Glossip habe ihn zum Mord angestiftet. Sneed kooperierte mit den Ermittlern, deshalb sitzt er derzeit eine lebenslange Haftstrafe ab. Glossip dagegen wurde 1998 und in einem Wiederaufnahmeverfahren 2004 zum Tode verurteilt - nur aufgrund der fragwürdigen Aussage Sneeds.

Ein neues Juristenteam förderte entlastende Beweise zutage, darunter eine eidesstattliche Erklärung eines anderen Gefängnisinsassen, der gehört haben will, wie Sneed sagte, er habe Glossip ans Messer geliefert. Zur Überprüfung der neuen Beweise war Glossips Hinrichtung vor zwei Wochen verschoben und für diesen Mittwoch terminiert worden.

Der Fall Glossip ist einer von vielen, bei denen Menschen aufgrund äußerst fragwürdiger Aussagen oder Beweise zum Tode verurteilt wurden. Seit Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA stellte sich bei bisher 155 Verurteilten nachträglich heraus, dass sie unschuldig waren.

Glossips Name ist in den USA auch deshalb bekannt, weil er einer von vier Todeskandidaten aus Oklahoma ist, die gegen das Exekutionsgift Midazolam bis vor den Obersten US-Gerichtshof zogen, da es mehrfach zu einem qualvollen Tod geführt hatte. Die Klage trug zuletzt sogar Glossips Namen. Doch vergeblich: Im Juni erklärte der Supreme Court Midazolam-Hinrichtungen für rechtmäßig.

Bei seiner Hinrichtung sollte im Giftcocktail nun Kaliumacetat enthalten sein und das bisher genutzte Kaliumchlorid ersetzen. Ob das zulässig ist, soll nun überprüft werden. Als neuer Termin für Glossips Hinrichtung wurde der 6. November festgelegt.

Erst vor wenigen Stunden fand im US-Bundesstaat Georgia die Hinrichtung einer Frau statt: Die 47-jährige Kelly Renee Gissendaner starb am frühen Mittwochmorgen deutscher Zeit in der Stadt Jackson durch eine Giftspritze. Sie war wegen Mordes an ihrem Ehemann verurteilt worden.

Hinrichtungen seit 1976

aar/dpa/AP

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