Inszenierter Brandanschlag: Bürgermeister zu Geldstrafe verurteilt

Norbert Moosmann täuschte ein Attentat auf sich vor - dafür muss der Bürgermeister der Schwarzwald-Gemeinde Rickenbach nun 18.000 Euro Strafe zahlen. Auch sein Lebensgefährte wurde verurteilt. Ausgestanden ist der Fall mit den Schuldsprüchen aber noch nicht.

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dapd

Verurteilter Bürgermeister: Geldstrafe für Norbert Moosmann

Waldshut-Tiengen - Wegen Vortäuschens einer Straftat hat das Landgericht Waldshut-Tiengen den Bürgermeister der Schwarzwald-Gemeinde Rickenbach zu einer Geldstrafe von 18.000 Euro verurteilt. Sein Lebensgefährte muss wegen Beihilfe zur Vortäuschung einer Straftat 4500 Euro zahlen. Bürgermeister Norbert Moosmann ist damit vorbestraft, bleibt aber im Amt.

Der Vorsitzende Richter Bernhard Seyffert zeigte sich von der Schuld der beiden Männer überzeugt. Der Bürgermeister und sein Lebensgefährte hätten im Juli 2011 im Rickenbacher Rathaus ein Brandbomben-Attentat auf den Bürgermeister inszeniert. Das Motiv lasse sich nicht präzise ermitteln, sagte Seyffert. Es gebe aber Vermutungen. "Aufgrund seiner labilen psychischen Lage ging es dem Bürgermeister wohl darum, sich mal ordentlich als Opfer darzustellen", sagte der Richter.

Moosmann quittierte die Urteilsbegründung mit heftigem Kopfschütteln. "Ich bin fassungslos", sagte er sichtlich aufgewühlt. "Ich bin unschuldig. Und ich habe erwartet, dass dieser Intrige gegen mich vom Gericht ein Ende gesetzt wird." Das Urteil bezeichnete er als "ungeheuerlich".

Die Staatsanwaltschaft hatte für Moosmann eine Bewährungsstrafe und für den Lebensgefährten eine Geldstrafe von 4500 Euro gefordert. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert - und kündigte an, Rechtsmittel einzulegen.

Der Fall hatte für großes Aufsehen gesorgt, der "Südkurier" richtete auf seiner Website während der Verhandlung einen Liveticker ein. Rathauschef Moosmann ist seit August 2010 fast durchgehend krankgeschrieben. Zwischen ihm und seiner Gemeinde hatte es immer wieder Streit gegeben.

Das Landratsamt will Moosmann zwangsweise in den Ruhestand schicken und damit den Weg für Neuwahlen frei machen. Doch weil sich Moosmann juristisch wehrt, sind Neuwahlen derzeit nicht möglich. Über die Klage des Bürgermeisters gegen seinen Zwangsruhestand verhandelt am 27. November das Verwaltungsgericht Freiburg.

Az.: 2 KLs 21 Js 4634/11

ulz/dpa

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