Italiens meistgesuchter Gangster: Das dritte Mal Knast für Kokain-König Pannunzi

Pannunzi (rechts) auf einem Screenshot vom Fernsehsender Caracol: "Größter Kokainimporteur der Welt" Zur Großansicht
Caracol

Pannunzi (rechts) auf einem Screenshot vom Fernsehsender Caracol: "Größter Kokainimporteur der Welt"

Einer der weltweit größten Drogenschmuggler ist gefasst: Roberto Pannunzi schickte jeden Monat zwei Tonnen Kokain aus Kolumbien nach Europa. Nun wird der Mann mit besten Verbindungen zur Mafia Italiens Justiz überstellt - aus deren Haft konnte er allerdings schon zweimal fliehen.

Rom - Wer den Fahndern in Kolumbien da ins Netz gegangen war, dazu gab es zunächst unterschiedliche Beschreibungen: Man habe den "Pablo Escobars Italiens" gefasst, gab das kolumbianische Verteidigungsministerium bekannt. Die italienische "Repubblica" sprach vom "meistgesuchten Mann Europas". Und ein süditalienischer Staatsanwalt, der den Drogenboss seit Jahren jagt, sagte: "Er ist der größte Kokainimporteur der Welt."

Roberto Pannunzi, genannt "Bebè" und 65 Jahre alt, wurde nach drei Jahren auf der Flucht am Samstag im kolumbianischen Bogotá festgenommen. Die dortige Militärpolizei und die US-Antidrogenbehörde DEA fassten den italienischen Mafioso in einem Einkaufszentrum. Er hatte einen venezolanischen Pass mit dem Namen Silvano Martino bei sich.

Staatsanwalt Nicola Gratteri aus der süditalienischen Reggio Calabria, der Pannunzi mit vier Haftbefehlen jagt, zeigte sich zufrieden: Man habe die Auslieferung aus Kolumbien erreicht. Umgehend sei Pannunzi in eine Maschine nach Rom gesetzt worden.

Italien bekommt also einen seiner meistgesuchten Verbrecher zurück - und muss aufpassen, dass der nicht ein drittes Mal aus der Haft entwischt. Für den Drogenhandel nach Europa ist die Festnahme des "Königs des Drogenschmuggels" (ebenfalls "Repubblica") ein Einschnitt. Noch am Samstag meldete sich der Anti-Mafia-Autor Roberto Saviano zu Wort. Die Festnahme könnte Einblicke ins Innere des dunklen Geschäft bringen, die Geschichte des weltweiten Drogenschmuggels könnte sich nun ändern.

Geschäfte mit verfeindeten Mafiaclans

Saviano bezeichnet Pannunzi als "den Broker für Kokain", der das Geld der Clans gesammelt haben und dafür Stoff beschafft haben soll. Pannunzi, in Rom geboren, aber mit kalabrischen Wurzeln, wird zur 'Ndrangheta gezählt, die als mächtigste Mafiaorganisation in Europa gilt und enge Verbindungen zu den kolumbianischen Drogenkartellen unterhält. Ob er Teil des Führungsstruktur der 'Ndrangheta ist, ist umstritten. Für Ermittler ist jedoch klar, dass er enge Verbindungen zum Clan von Mafiaboss Giuseppe Morabito unterhält, bis zu seiner Festnahme 2004 einer der meistgesuchten Männer Italiens.

Doch anders als manche Konkurrenten schaffte Pannunzi es, mit mehreren verfeindeten Mafiaclans Geschäfte zu machen. So konnte er jeden Monat rund zwei Tonnen Kokain bringen, und wenn es sein musste, auch mal mehr. Pannunzi wurde im Milieu für die Qualität seines Stoffes geschätzt.

Wie viel Geld er damit machte? Mafia-Gegner Saviano hat Pannunzi nach dessen Festnahme so beschrieben: Er zählte sein Geld nicht, er wog es.

Seine Karriere im Mafiageschäft begann vor über 30 Jahren, als er bei den Drogengeschäften des sizilianischen Obermafiosos Gaetano Badalamenti mitmischte. Später soll er an einer Heroinraffinerie in Palermo beteiligt gewesen sein, bevor er dann Anfang der Neunziger die Geschäfte in Kolumbien regelte.

Fahnder entdecken neue Drogenroute

Zunächst lief der Kokainschmuggel noch in kleinen Passagiermaschinen. Dann entdeckten kolumbianische Fahnder eine neue Drogenroute nach Europa: Aus dem Land würden die Drogen in Motorbooten gebracht, Richtung Zentralamerika oder Ecuador. Von dort aus ging es per Container nach Spanien und schließlich nach Italien.

In Kolumbien nannte man den stets gut gekleideten Pannunzi den "Signore". Seinen Sohn Alessandro verheiratete er mit der Tochter eines der Bosse des berüchtigten Medellín-Kartells. 1994 wurde er erstmals in Medellín festgenommen. Damals bot er den Polizeikräften eine Million Dollar an, wenn sie ihn laufenließen. Sie lehnten ab.

In Italien wurde er zu langen Haftstrafen verurteilt, konnte 1999 aber fliehen, als er sich in einer Römer Klinik aufhielt. 2004 fasste man ihn dann in einem Apartment bei Madrid. 2010 konnte er erneut fliehen - wieder hielt er sich wegen Herzproblemen in einer Klinik auf. Nun erhalten Italiens Strafverfolger ihre dritte Chance.

fab

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