Prozess Rocker-Boss Hanebuth soll in Spanien vor Gericht

Menschenhandel, Erpressung, Geldwäsche: Die spanische Justiz erhebt schwere Vorwürfe gegen den deutschen Rocker-Boss Frank Hanebuth. Sie will insgesamt 55 Mitglieder und Helfer der Hells Angels vor Gericht stellen.

Hanebuth auf Mallorca (Archivbild): Abschlussbericht des Ermittlungsrichters liegt vor
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Hanebuth auf Mallorca (Archivbild): Abschlussbericht des Ermittlungsrichters liegt vor


Madrid - Auf Mallorca hat Frank Hanebuth ein Luxusleben geführt, doch seit anderthalb Jahren sitzt der Rocker-Boss aus Hannover in Spanien in Untersuchungshaft. Jetzt will die spanische Justiz dem 50-Jährigen sowie 54 weiteren Mitgliedern und Helfern der Hells Angels den Prozess machen. 18 Monate nach einer Großrazzia der Polizei auf Mallorca hat der Ermittlungsrichter Eloy Velasco seine Untersuchungen für beendet erklärt.

In seinem Abschlussbericht stuft er die Hells Angels als eine kriminelle Organisation ein, die sich auf der Mittelmeerinsel vor allem mit der sexuellen Ausbeutung von Frauen finanziert habe. Laut Velasco stand Hanebuth an der Spitze einer Gang, die Frauen zur Prostitution gezwungen habe.

Darüber hinaus hätten der Rocker-Boss und seine Komplizen auf Mallorca Schutzgelder erpresst und Scheinfirmen gegründet, um in betrügerischer Weise an Kredite zu kommen, heißt es in dem Bericht. Ihre Organisation habe sich auf ein Netz von Helfern gestützt, dem auch drei Polizeibeamte angehört hätten.

"Es ist sehr erfreulich, dass endlich der Abschlussbericht vorliegt und Bewegung in die Sache kommt", sagte Hanebuths deutscher Anwalt Götz von Fromberg. Er kenne den Bericht aber noch nicht.

Hanebuth war nach Ansicht des Ermittlungsrichters einer der führenden Köpfe der Hells Angels in Europa. Hannover hatte der Rocker-Boss verlassen - zuvor hatten sich GSG9-Spezialkräfte im Mai 2012 auf seinem Anwesen von einem Hubschrauber abgeseilt, die Tore aufgerammt und einen Hund erschossen. Hanebuth wurde verdächtigt, Drahtzieher eines Auftragsmordes zu sein, die Staatsanwaltschaft Kiel stellte die Ermittlungen jedoch im April 2013 mangels eines Tatnachweises ein.

Der Hells-Angels-Charter in Hannover löste sich bereits im Juni 2012 auf, kurz nach dem Einsatz gegen den Klubchef. Im Juli 2013 nahm die spanische Polizei bei einer Großrazzia auf Mallorca unter dem Codenamen "Casablanca" Hanebuth und 24 mutmaßliche Komplizen fest. Die Hells Angels hätten auf Mallorca mit Millionensummen jongliert, teilte die Polizei damals mit. Nach einer Mitteilung des spanischen Innenministeriums sollen die Rocker den Plan gehabt haben, mit Schwarzgeldern aus Deutschland und der Türkei auf Mallorca eine Formel-1-Rennstrecke zu bauen.

Der Ermittlungsrichter legt Hanebuth und dessen Komplizen unter anderem Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung, Menschenhandel, Erpressung, Freiheitsberaubung, Zuhälterei und Geldwäsche zur Last. Hanebuth hatte die Vorwürfe stets bestritten.

Im spanischen Rechtssystem führt nicht ein Staatsanwalt, sondern ein Richter die Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung können allerdings Entscheidungen des Ermittlungsrichters anfechten. Der Richter entscheidet auch darüber, ob Anklage erhoben und ein Prozess eröffnet wird. Velasco forderte in seinem Bericht die Staatsanwaltschaft auf, innerhalb von zwei Wochen ihre Anklageschrift vorzulegen.

aar/dpa

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Ontologix II 04.02.2015
1. Gut so
Mir ist ohnehin unbegreiflich, wie viel Toleranz unsere Polizei und Justiz gegenüber diesen Herrschaften übt.
Mastermason 04.02.2015
2. Mir ist alles mögliche unbegreiflich...
Zitat von Ontologix IIMir ist ohnehin unbegreiflich, wie viel Toleranz unsere Polizei und Justiz gegenüber diesen Herrschaften übt.
unter anderem, wie jemand in einem Rechtsstaat 18 Monate in Untersuchungshaft gehalten werden kann, ohne das es zu einer Anklage kommt. Aber vielleicht kann mich ja ein Kenner des spanischen Rechtssystems aufklären?
Mr Bounz 04.02.2015
3. zu 2.
vermutlich besteht bri diesem Herren akute Fluchtgefahr. Hat sich ja auch aus D abgesetzt! Die große Frage ist eher, warum sitzt so jemand, von dem jeder weiß womit er sein Geld verdient, nicht schon lange in einem deutschen Gefängnis?!?!
kabian 04.02.2015
4. Ich weiß sehr genau wie das System funktioniert ;-)
In U-Haft nimmt man sich erst einmal einen spanischen Anwalt mit sehr gutem Netzwerk. Diesem gibt man erst mal eine Unsumme die er dann an die entsprechenden Stellen weiterleitet. Dann wird eine Kaution festgelegt die natürlich auch bezahlt wird und danach verschwindet man in sein Heimatland. Von dort kann man dann nicht ausgeliefert werden. In diesem Fall scheint die spanische Justiz nicht besonders viele Beweise zu haben, das heißt aber noch lange nicht das die Chancen gut für einen Freispruch stehen. Dreh und Angelpunkt ist immer die finanzielle Seite. Da kann selbst schon mal ein Rockerkönig schnell arm werden. ;-)
winelover 04.02.2015
5. U-Haft Spanien
Zitat von Mastermasonunter anderem, wie jemand in einem Rechtsstaat 18 Monate in Untersuchungshaft gehalten werden kann, ohne das es zu einer Anklage kommt. Aber vielleicht kann mich ja ein Kenner des spanischen Rechtssystems aufklären?
Untersuchungshaft kann in Spanien grdsl. zwei Jahre betragen, bei organisierter Kriminalität (dürfte hier wohl anzunehmen sein), sogar bis zu vier Jahre, wobei der Ermittlungsrichter nach Ablauf der ersten zwei Jahre eine erneute Prüfung vorzunehmen hat.
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