Bandenkriege Innenministerium verbietet Rockerklub Satudarah

Innenminister De Maizière hat den niederländischen Rockerklub Satudarah in Deutschland verboten. Die Polizei durchsucht im Rahmen einer bundesweiten Großrazzia Vereinsheime und Wohnungen von Bandenmitgliedern.

Mitglieder des niederländischen Rockerklubs Satudarah: Ab sofort in Deutschland verboten
DPA

Mitglieder des niederländischen Rockerklubs Satudarah: Ab sofort in Deutschland verboten

Von , Düsseldorf


Der Großeinsatz läuft seit 6 Uhr: In mehreren Städten, darunter Duisburg und Aachen, durchsucht die Polizei Vereinsheime des Rockerklubs Satudarah sowie die Wohnungen seiner Mitglieder. Zuvor hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière ein Vereinsverbot gegen den Klub erlassen.

Wegen der Gefährlichkeit mehrerer betroffener Rocker seien Spezialeinheiten am Einsatz beteiligt, teilte die Essener Polizei mit. Detaillierte Auskünfte wollen die Ermittler erst geben, "wenn die Einsatzlage dies zulässt", hieß es in der Mitteilung.

Satudarah ist der größte niederländische Rockerklub und wird von der Polizei immer wieder mit Organisierter Kriminalität in Verbindung gebracht. Nach Erkenntnissen der Behörden expandierte der Klub lange Zeit vor allem in Nordrhein-Westfalen. In Deutschland steht die Gruppierung den Bandidos nahe. "Gemeinsamer Feind sind die Hells Angels", sagt ein szenekundiger Beamter. "Bei einem Aufeinandertreffen der Rockergruppierung Satudarah und der Hells Angels sind Auseinandersetzungen nicht auszuschließen", heißt es in einem vertraulichen Lagebericht der Polizei.

Tatsächlich waren in den vergangenen Jahren bei Revierstreitigkeiten zwischen Satudarah und Hells Angels in Duisburg sogar Handgranaten detoniert, es kam zu Massenschlägereien und Schüssen auf offener Straße. Aus den Niederlanden rüstete der Klub seinen deutschen Ableger mit Kalaschnikows und Maschinenpistolen auf. Als Statthalter der Gang in der Bundesrepublik etablierte sich der Duisburger Kriminelle Yildiray Kaymaz, der sich als Rockerchef bald schon Ali Osman nannte und keine Kamera ausließ.

Doch auch den Ermittlungsbehörden gegenüber zeigte sich Kaymaz schließlich sehr mitteilsam. Neunmal ließ er sich nach seiner Festnahme vernehmen und sagte auch gegen die niederländischen Hintermänner des Klubs aus. Die Ermittler konnten mit seiner Hilfe und der des V-Mannes Christian J. die deutsche Satudarah-Filiale fast vollständig schließen. Das Verbot aus Berlin exekutiert daher nun auf dem Verwaltungswege lediglich, was den Strafverfolgern bereits gelungen war.

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