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Jurist und Publizist: Star-Anwalt Rolf Bossi ist tot

Er verteidigte Romy Schneider, den Oetker-Entführer und einen der Gladbecker Geiselnehmer: Nun ist der prominente Anwalt Rolf Bossi nach SPIEGEL-Informationen gestorben. Er wurde 92 Jahre alt.

Rolf Bossi (1995): Der Rechtsanwalt war in der letzten Zeit schwer krank Zur Großansicht
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Rolf Bossi (1995): Der Rechtsanwalt war in der letzten Zeit schwer krank

Star-Anwalt Rolf Bossi ist tot. Er starb nach SPIEGEL-Informationen an diesem Dienstag gegen 13 Uhr. Bossi wurde 92 Jahre alt.

Bossi übernahm jahrzehntelang spektakuläre Fälle, so verteidigte er den Kindermörder Jürgen Bartsch, den Oetker-Entführer Dieter Zlof und den Gladbecker Geiselnehmer Dieter Degowski. Zu seinen Klienten zählten aber auch Prominente wie Romy Schneider oder die Schauspielerin Ingrid van Bergen, die ihren Geliebten erschossen hatte.

"Seine Plädoyers waren großes Kino", schrieb einst die "Bild"-Zeitung. Der SPIEGEL nannte ihn 2007 einen "Halbgott in Schwarz".

Rolf Bossi (links) 1979 mit dem Oetker-Entführer Dieter Zlof (Mitte): Er übernahm die ganz großen Fälle Zur Großansicht
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Rolf Bossi (links) 1979 mit dem Oetker-Entführer Dieter Zlof (Mitte): Er übernahm die ganz großen Fälle

Auch abseits des Gerichtssaals mischte sich Bossi in öffentliche Debatten ein, stets provokant, stets pointiert. Er publizierte mehrere Bücher, legte sich mit Richtern und Staatsanwälten an.

Doch auch er selbst geriet ins Visier der Justiz: Das Landgericht München verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 18.000 Euro, nachdem er zweimal ohne Führerschein am Steuer erwischt wurde. Das Amtsgericht Augsburg brummte ihm wegen beleidigender Äußerungen in einem Prozess ("üble Justizkumpanei") eine Geldstrafe von 12.000 Euro auf. Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt ermittelte gegen ihn, weil er eine Zeugin als "schäbige kriminelle Drecksperson" bezeichnet haben soll.

Eines war Bossi in jedem Fall: publikumswirksam. Einmal spielte er sogar in einem "Tatort" mit.

Seiner juristischen Brillanz hat dies nicht geschadet. Bossis Verdienst sei es, schrieb einst der SPIEGEL, die Psychologie in den Gerichtssaal getragen zu haben. Er habe das Bewusstsein dafür geschaffen, dass manche Menschen krank seien und Strafgerichte dies berücksichtigen müssten.

Bossi war in der letzten Zeit schwer krank, er erlitt zwei Schlaganfälle. Sein Augenlicht schwand - und auch seine Erinnerung. Sein letztes Ziel erreichte er nicht: "Im Sattel sterben."

gis/wal

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