Rom Sex-Affäre um männliche Prostituierte erschüttert Vatikan

Schwere Zeiten für die katholische Kirche: Ein Chorsänger des Vatikan soll männliche Prostituierte vermittelt haben. Zu seinen Klienten gehörte angeblich auch ein Mann, der sich im direkten Umfeld von Papst Benedikt bewegte.


Rom - Am Mittwoch hatte die italienische Zeitung "La Repubblica" erstmals über den Fall berichtet. Demnach vermittelte Chorsänger Chinedu Ehiem männliche Prostituierte an Angelo Balducci, den Präsidenten des obersten Rates für öffentliche Arbeiten, der als ehrenamtlicher Diener bei besonderen Anlässen in der Residenz von Papst Benedikt XVI. tätig war - eine Auszeichnung.

Laut "Guardian" besitzt die italienische Polizei Tonbänder, auf denen zu hören ist, wie Balducci am Telefon mit Ehiem über seine Vorlieben spricht. "Ich habe deinen Anruf gesehen, als ich mit dem Chor im Petersdom probte", zitiert die britische Zeitung Ehiem. Demnach bietet er Balducci einen Prostituierten an, "zwei Meter groß, 97 Kilogramm schwer, 33 Jahre alt."

Dem "Guardian" liegen Abschriften der Tonbänder vor, denen zufolge Balducci mehrfach von männlichen Prostituieren Besuch bekam. Zu den Prostituierten soll auch ein Mann gehören, der gerade die Ausbildung zum Priester absolviert.

Die "New York Times" zitiert Balducci unter Berufung auf Polizeidokumente mit den Worten: "Um welche Zeit muss er wieder im Seminar sein?"

Bislang hat sich die katholische Kirche nicht öffentlich zu der Affäre geäußert.

Ehiem ist den Berichten zufolge nicht länger in Diensten des Vatikan. Auch Balducci wird sein Ehrenamt im Apostolischen Palast wegen der Vorwürfe bezüglich seines Privatlebens verlieren. Anfang Februar war Balducci wegen Korruption festgenommen worden. Als Staatsbeamter und ehemaliger stellvertretender Chef des Zivilschutzes soll er öffentliche Gelder verschwendet haben. Im Zuge dieser Ermittlungen stießen die Fahnder nun auf den Skandal um den Prostituierten-Ring.

hut

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