Verfahren in Polen Gericht verweigert Auslieferung Polanskis an USA

Starregisseur Roman Polanski muss vorerst kein Verfahren in den Vereinigten Staaten fürchten. Die US-Justiz hatte von Polen seine Auslieferung wegen eines Sexualverbrechens beantragt. Ein Gericht wies dies nun zurück.

Roman Polanski (Archivbild): Freiwillig eine Gefängnisstrafe verbüßt
AP

Roman Polanski (Archivbild): Freiwillig eine Gefängnisstrafe verbüßt


Die von der US-Justiz beantragte Auslieferung Roman Polanskis ist vom Bezirksgericht in Krakau abgewiesen worden. Wie Richter Dariusz Mazur mitteilte, lehnte das Gericht den Antrag wegen Unzulässigkeit ab. Die Staatsanwaltschaft kann Berufung bei einer höheren Instanz einlegen. Hintergrund ist ein von dem Starregisseur begangenes Sexualverbrechen in den Siebzigerjahren.

Mazur wies in seiner mündlichen Urteilsbegründung auf die Einigung hin, die Polanski damals mit der US-Staatsanwaltschaft geschlossen hatte. Die Anwälte des Regisseurs hatten in dem Verfahren betont, dass Polanski seinen Teil der Vereinbarung eingehalten und freiwillig eine Gefängnisstrafe verbüßt habe. Auch das Gericht schloss sich dieser Ansicht an. Das Auslieferungsgesuch sei deshalb unzulässig, hieß es in der Urteilsbegründung. Polanski selbst war nicht anwesend.

Die USA werfen dem 82-jährigen französisch-polnischen Regisseur vor, im Jahr 1977 die damals 13-jährige Samantha Geimer vergewaltigt zu haben. Der Regisseur hatte damals nach seiner Festnahme in den USA gestanden, Sex mit der Minderjährigen gehabt zu haben. Nach 42 Tagen im Gefängnis nutzte er seine vorläufige Freilassung kurz vor Verkündung des Strafmaßes zur Flucht nach Europa: Er hatte gefürchtet, dass die Strafe trotz einer Übereinkunft mit der Anklage höher als vereinbart ausfallen würde.

Seitdem beschäftigt der Fall immer wieder die Gerichte. Der Filmemacher war 2009 auf US-Anweisung in Zürich festgenommen worden. Anschließend stand er in seinem Chalet im Schweizer Skiort Gstaad unter Hausarrest, bis ihn die Behörden nach rund zehn Monaten wegen Unklarheiten im Auslieferungsgesuch wieder freiließen.

Das Opfer forderte indes wiederholt, das Verfahren einzustellen. Die Frau, die mittlerweile verheiratet ist und Kinder hat, betonte, Polanski stelle keine Bedrohung mehr dar. Das Aufsehen um den Fall belaste sie, hatte Geimer gesagt.

kis/dpa/AFP



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