Australierin saß unschuldig im Gefängnis Millionenentschädigung nach 26 Jahren

Jahrelang saß Roseanne Beckett wegen versuchten Mordes an ihrem Ehemann unschuldig in Haft. Ein Polizist hatte Beweise gegen sie gefälscht, um sich zu rächen. Erst jetzt wurde die Australierin finanziell entschädigt.

Roseanne Beckett (M.) vor dem Gerichtsgebäude in Sydney: "Der Sieg, endlich"
DPA

Roseanne Beckett (M.) vor dem Gerichtsgebäude in Sydney: "Der Sieg, endlich"


"Der Sieg, endlich": Mit diesen Worten hat Roseanne Beckett auf ein Urteil des Supreme Courts in Sydney reagiert. Ihr wurden 2.310.350 australische Dollar zugesprochen, umgerechnet etwa 1,5 Millionen Euro. Beckett soll damit für die Jahre entschädigt werden, die sie unschuldig in Haft saß.

1989 wurde die Australierin festgenommen. Der Vorwurf: Sie habe versucht, ihren Ehemann umzubringen. Ein Polizist förderte angebliches Beweismaterial zutage, und Beckett wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Den Polizisten hatte Beckett in den Achtzigerjahren kennengelernt. Damals habe er wegen eines Brands in ihrem Laden ermittelte, sagte sie vor Gericht. Er habe sie umworben, sie sei aber nicht darauf eingegangen. Stattdessen heiratete sie einen Bekannten des Polizisten. Der Beamte kam später mit dem Gesetz in Konflikt, er war laut Gerichtsakten psychisch krank.

Erst 2001 - zehn Jahre nach ihrer Verurteilung - wurde Becketts Unschuld festgestellt. Sie wurde freigelassen, doch wegen veralteter Gesetze mit praktisch unerfüllbaren Auflagen bekam sie erst jetzt eine Entschädigung zugesprochen. "Ich bin 26 Jahre mit dieser Sache schlafen gegangen, und 26 Jahre damit aufgewacht", sagte sie nach der Urteilsverkündung.

Der Polizist starb 2014. Nach Aussage des Richters habe der Mann Beckett gehasst - und das Justizsystem genutzt, um sich an ihr zu rächen.

aar/dpa

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insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
harwin 24.08.2015
1. Nichts kann...
Kein Geld der Welt kann entgangene Lebenszeit ersetzen. In Deutschland würde jeder der unschuldig im Knast sitzt mit extrem wenig Geld entschädigt, und muss es sich auch noch erkämpfen. Eine Millionensumme kann das Leid unschuldig im Gefängnis gesessen zu haben nicht wieder gut machen, aber zumindestens kann einen ein sorgenfreies Leben ermöglichen. Die Deutsche Justiz und Politik sollte da mal umdenken. Unschuldig verurteilte sollten angemessen entschädigt werden, nicht noch mehr traumatisiert.
Nice2know 24.08.2015
2. 25,00€
Ist die hiesige Haftentschädigung für einen Tag. Bei 10 Jahren Haft ergibt sich eine Summe von rund 92.000,00€. Und selbst diese muss man hier noch einklagen und es dauert oft Jahre bis man diese erhält. Opfer unserer Justiz werden auch keinem Wiedereingliederungsprogramm zugeführt. Sie müssen selbst klarkommen. Solange es hier so ist, ist die Hemmschwelle gering sei es von Richtern, der Staatsanwaltschaft oder der Polizei wirklich im Zweifel FÜR den Angeklagten zu sprechen. Deswegen traue ich hier keinem mehr. Keinem Richter, keinem Staatsanwalt und auch keinem Polizisten.
mat_1972 24.08.2015
3.
Also ich halte die Entschädigungssumme für einen schlechten Witz. Wer so lange Zeit unschuldig hinter Gittern sass, sollte dafür auch fürstlich entschädigt werden. Die Lebenszeit ist begrenzt, und wer diese ohne Grund anderen kürzt muss halt später dafür aufkommen, dass die verbleibende Zeit so "toll" ist, dass es die verlorene Zeit ausgleicht. Falls das überhaupt möglich ist. So einfach ists.
markusma 24.08.2015
4. Welche Summe? 1.5 Millione zu wenig?
1.5 Millionen sind also zu wenig für eine 60 Jährige? Die Lebenszeit kann man ihr nicht mehr wiedergeben, das ist nun mal so. Aber mit dem geld kann Sie vieles nachholen was sie in den vergangen Jahren entbehren musste, Reisen usw. Keine Ahnung was man 20 Millionen mehr machen könnte, ausser das sich viele falsche Freunde melden würden ....
moe.dahool 24.08.2015
5. Es ist nicht nur verlorene Zeit
Verloren wäre sie, wenn man sie für die Zeit quasi "ausgeschaltet", und sie nichts mitbekommen hätte. Deshalb ist der Begriff mehr als euphemistisch. Tatsächlich hat die Frau unter kargesten Bedingungen vegetieren müssen, und wurde über Jahre wie ein Verbrecher behandelt. Die deutsche Gesetzgebung ist eine Verhöhnung aller möglichen unschuldigen Justizopfer. Das Jahresgehalt eines höheren Beamten als Entschädigung für zehn Jahre Knast?! Selbst die 1,5 Mio, die ihr das Gericht zugesprochen hat, sind noch zu wenig.
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