Baden-Württemberg Polizei zerschlägt mutmaßlichen Mafia-Ableger

Drogenhandel, Waffengeschäfte und Gewalttaten: Die Polizei hat ein mutmaßliches Mafianetzwerk mit Sitz im Schwarzwald ausgehoben. 15 Menschen wurden festgenommen.

Oberstaatsanwalt Joachim Speiermann berichtet über das Netzwerk
DPA

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Eine Gruppe mit Verbindungen zur italienischen Mafia soll mit Anführern in Rottweil und Donaueschingen jahrelang in Süddeutschland Straftaten begangen haben. Die beiden mutmaßlichen Anführer, italienische Staatsangehörige im Alter von 52 Jahren und 48 Jahren, wurden bereits am 21. Juni festgenommen. Das gaben Polizei und Staatsanwaltschaft erst jetzt in Rottweil bekannt.

Außer den beiden Hauptverdächtigen wurden 13 weitere Tatverdächtige festgenommen. Den insgesamt 15 Beschuldigten zwischen 25 und 77 Jahren werden Drogenhandel, Waffengeschäfte, gefährliche Körperverletzung, Brandstiftung und versuchter Mord vorgeworfen. Mitglieder der Gruppe sollen etwa durch das Fenster einer Gaststätte im baden-württembergischen Hüfingen geschossen haben.

Spezialkräfte der Polizei aus Baden-Württemberg und Bayern hatten die Männer gestellt. Gegen alle wurde mittlerweile Haftbefehl erlassen. Drei Tatverdächtige haben die Vorwürfe bisher eingeräumt.

Gegner mit Gewalttaten eingeschüchtert

Die Beamten stellten nach eigenen Angaben unter anderem größere Mengen Kokain und Marihuana sowie mehrere Schusswaffen und teure Autos sicher. Mehr als 300 Polizisten, darunter Verbindungsbeamte der italienischen Polizei, Spezialeinheiten und Finanzermittler waren an der Aktion beteiligt.

Die Gruppe hat nach Angaben der Ermittler Verbindungen zur italienischen Cosa Nostra. Sie soll ihre Gegner unter anderem mit Gewalttaten immer wieder eingeschüchtert haben.

Die illegalen Machenschaften sollen durch ein Goldankaufgeschäft und einen Kleiderladen verschleiert worden sein. Äußerlich wahrte die Gruppe dabei einen bürgerlichen Schein. "Alle waren gesellschaftlich bestens integriert", sagte Wolfgang Rahm, Mafiaexperte des Landeskriminalamts.

Im Zuge der Ermittlungen nahm die italienische Polizei zwei weitere Tatverdächtige in Italien fest. Sie sollen nach Deutschland ausgeliefert werden. Die Staatsanwaltschaft Konstanz ermittelt seit Sommer 2016 gegen den organisierten Drogenhandel im süddeutschen Raum. Eine Anklage gegen das mutmaßliche Mafianetzwerk ist den Ermittlern zufolge aber nicht vor Anfang 2018 zu erwarten.

Razzien gegen 'Ndrangheta-Mitglieder in Italien

Auch in Italien ist der Polizei im Süden des Landes offenbar ein großer Schlag gegen die Mafia gelungen. Mehr als 1000 Beamte hätten mit Hubschraubern und Spürhunden nach mehr als 100 versteckten, mutmaßlichen Mafiosi gesucht, teilte die Polizei mit. Ihnen wird unter anderem Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Betrug, Erpressung sowie illegaler Waffenbesitz vorgeworfen.

Der Einsatz sei einer der größten gegen die 'Ndrangheta überhaupt gewesen. Ob alle Verdächtigen gefasst werden konnten, wurde zunächst nicht bekannt. Die Aktion richtete sich laut Polizei gegen mehr als 20 Mafiafamilien in Ost-Kalabrien.

Bei dem Einsatz sei das "schlagende Herz" der Organisation getroffen worden, teilte die Polizei mit. Auch in Deutschland hat die Organisation laut der italienischen Anti-Mafia-Behörde eine "stabile Präsenz".

apr/dpa/AFP

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