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27. Februar 2013, 19:24 Uhr

Bizarrer Gangster-Zoo in Rumänien

Mit Zähnen und Klauen

Womit schüchtert man als rumänischer Gangsterboss seine Rivalen ein? Ganz wirkungsvoll scheint es mit echten Bären und Löwen zu klappen: Auf dem Anwesen eines mutmaßlichen Schwerverbrechers beschlagnahmten die Behörden in Bukarest jetzt einen ganzen Privatzoo.

Bukarest - Sie nennen ihn "Nutzu, den Pfandleiher", und die Liste der Vorwürfe gegen ihn ist eindrucksvoll: Er soll eine Verbrecherbande angeführt haben, es geht um versuchten Mord, Entführung, Erpressung und illegalen Waffenbesitz. Vergangene Woche wurde der mutmaßliche Schwerverbrecher nun festgenommen - trotzdem interessiert sich die rumänische Öffentlichkeit für einen ganz anderen Aspekt aus seinem Leben: den bizarren Privatzoo, den Nutzu auf seinem Anwesen in Bukarest unterhielt.

Vier echte Löwen und zwei Bären hielt sich Ion Balint - so der bürgerliche Name des Mannes - auf seinem streng bewachten Anwesen in einem ärmlichen Viertel der Millionenstadt. Angeblich dienten die Tiere dazu, seine Rivalen und Opfer einzuschüchtern. Auch eine Folterkammer soll es Gerüchten zufolge in Nutzus Haus geben. "Es sind viele Unwahrheiten im Umlauf", sagte dazu Balints Schwiegersohn Marius Vlad.

Anwohner beschrieben den 48-jährigen Balint als angenehmen Nachbarn und Tierfreund. Sie hätten sich von den brüllenden Löwen nicht gestört gefühlt. "Wir hören sie jeden Tag, aber nur wenn sie hungrig sind oder das Weibchen läufig ist", sagte Nachbarin Gabriela Ionescu. Auf dem Gelände befanden sich auch weniger furchteinflößende Tiere, unter anderem Pferde und Kanarienvögel.

Entlassung auf einem schwarzen Hengst

Über ihr kriminelles Netzwerk sollen Balint und sein Bruder Vasile weite Teile der Unterwelt Bukarests kontrolliert haben. Rund 400 Polizeibeamte waren an den Ermittlungen beteiligt, nach denen vergangene Woche 67 Verdächtige festgenommen wurden - darunter auch Balint alias Nutzu, der Pfandleiher.

Bereits 2009 war Balint wegen Menschenhandels, Körperverletzung und Zuhälterei zu einer 13-jährigen Haftstrafe verurteilt worden. Später wurde die Strafe reduziert, schon 2010 kam er wieder auf freien Fuß. Das Gefängnis soll Balint auf einem schwarzen Hengst reitend verlassen haben.

Seine Löwen und Bären wurden nun von Mitarbeitern der Umweltbehörde betäubt und in Käfigen abtransportiert. Beteiligt an der Aktion war auch die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" aus Österreich. Die Tiere sollen in einem Zoo unterkommen und später möglicherweise nach Südafrika gebracht werden, hieß es.

Ein Behördensprecher sagte, Balint habe keine Papiere für die Tiere gehabt und sie zehn Jahre lang illegal gehalten. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, drohen ihm allein dafür ein weiteres Jahr in Haft sowie eine Geldstrafe.

rls/AP

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