Russland Gefängnis-Chefaufseher klaut offenbar Straße

Russland hat ein Problem mit Korruption. Manchmal geht das so weit, dass ganze Straßen gestohlen werden. In der Region Komi werden 50 Kilometer vermisst. Der Verdächtige steht ausgerechnet an der Spitze der Gefängnisbehörde.


In Moskau ist Medienberichten zufolge der Vizechef der Gefängnisbehörde, Alexander P., festgenommen worden. P. soll zwischen 2014 und 2015 den Abbau einer 50 Kilometer langen öffentlichen Straße beaufsichtigt haben. Die Teile verkaufte er an ein Unternehmen weiter, heißt es in dem Untersuchungsbericht, aus dem der "Guardian" zitiert. Ihn erwarte jetzt eine Anklage wegen der Veruntreuung von Staatseigentum. Dafür drohe ihm eine Haftstrafe bis zu zehn Jahren, heißt es weiter.

Die Straße in der stark bewaldeten Region Komi in Nordrussland bestand aus mehr als 7000 Stahlbetonplatten, berichtet die "New York Times" unter Berufung auf die russische Zeitung "Kommersant". Dort leitete P. von 2010 bis 2015 die Gefängnisbehörde. Er wurde mehrfach ausgezeichnet und beaufsichtigte zuletzt unter anderem die Gefängnisse auf der von Russland annektierten Krim-Halbinsel.

Dem Untersuchungsbericht zufolge soll bei dem Diebstahl ein Schaden von mehr als sechs Millionen Rubel (rund 72.000 Euro) entstanden sein, schreibt der "Guardian". Neben P. wurde ein weiterer Offizieller festgenommen, gegen mehrere andere werde ermittelt. Die Diebe tarnten den Abtransport der Straße demnach als Abfallbeseitigung.

P. soll den "Kommersant"-Angaben zufolge bis Donnerstag in Untersuchungshaft bleiben. An dem Tag feiere er seinen 55. Geburtstag. Sollte er verurteilt werden, würde der ehemalige Gefängnis-Chefaufseher wohl als einer der größten Straßenräuber in die Geschichte Russlands eingehen.

brt

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