Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Russischer Leichenschänder: "In zweieinhalb Jahren 752 Friedhöfe besucht"

Ein 45-jähriger Historiker aus dem russischen Nischni Nowgorod soll Frauenleichen von Friedhöfen gestohlen und in seiner Wohnung konserviert haben. In einem Interview hatte der Mann damit geprahlt, niemand kenne sich so gut mit Friedhöfen aus wie er.

Polizeifoto: Mumifizierter Körper in der Wohnung des Tatverdächtigen Zur Großansicht
AP/ Russian Interior Ministry

Polizeifoto: Mumifizierter Körper in der Wohnung des Tatverdächtigen

Moskau - Anatolij M. ist von Haus aus Historiker. Der Kelten-Experte schrieb mehrere Bücher und soll sich nebenbei intensiv mit Namenskunde beschäftigt haben.

Doch jetzt steht der 45-Jährige aus dem russischen Nischni Nowgorod unter einem haarsträubenden Verdacht: Er soll über Jahre die Leichen von jungen Frauen auf den Friedhöfen der Region ausgebuddelt und zu sich nach Hause verfrachtet haben. Dort habe er die leblosen Körper wie Puppen eingekleidet und auf Sesseln und Sofas drapiert, so der Vorwurf.

Eine ganze "Kollektion von Leichen-Puppen" habe sich der Sammler auf diese Art zugelegt, schreibt die Zeitung "Komsomolskaja Prawda".

Der Sender "Life News" zeigte Bilder der verwahrlosten Wohnung des Russen, deren Boden mit Stofftieren, Kartons und Plastiktüten übersät ist. Zwischen dem Abfall sind Puppen in roten und weißen Abendkleidern und mit maskenähnlichen Gesichtern zu sehen. Die Frauen sollen zum Zeitpunkt ihres Todes 15 bis 25 Jahre alt gewesen sein.

Ein Einsatzkommando habe 29 mumifizierte Leichen gefunden, berichtete die örtliche Polizei. Auch Fotos, Grabinschriften und Literatur zur Anfertigung von Puppen seien in der Wohnung entdeckt worden. Anatolij M. muss sich nun wegen Grabschändung vor Gericht verantworten.

In den vergangenen zwei Jahren war es immer wieder zu Grabschändungen und Leichenrauben in der Region gekommen. Zwölfmal erstatteten Angehörige Anzeige. Doch die Polizei wurde des Grabräubers nicht habhaft. Einer Expertengruppe gelang es schließlich, dem Tatverdächtigen anhand von Fußspuren und Fingerabdrücken auf die Spur zu kommen. Er wurde auf dem Starosormowski-Friedhof festgenommen und befindet sich in Untersuchungshaft.

Laut "Komsomolskaja Prawda" hatten die Eltern des Tatverdächtigen ihren Sohn beim Präparieren einer Leiche überrascht, als sie gerade vom Sommeraufenthalt in ihrer Datscha zurückkehrten.

Die Zeitung zitiert aus einem Interview M.s mit einer Journalistin aus Nischni Nowgrorod. Darin erklärt er: "Nach meinen Berechnungen habe ich in den vergangenen zweieinhalb Jahren 752 Friedhöfe besucht. Seit der siebten Klasse schaue ich mir Friedhöfe an, ich glaube, dass niemand sich damit besser auskennt als ich."

ala

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: