Festnahme in Russland Gefängniswärter sollen Häftling gefoltert haben

Mit Schlägen und Tritten sollen sechs Gefängniswärter einen Häftling misshandelt haben. Ein Video zeigt offenbar die Taten.

Irina Birjukowa, Anwältin des mutmaßlichen Folteropfers
imago/ ITAR-TASS

Irina Birjukowa, Anwältin des mutmaßlichen Folteropfers


Nach Bekanntwerden eines mutmaßlichen Folterfalls in einem russischen Provinzgefängnis sind sechs Wärter festgenommen worden. Sie hätten laut ersten Erkenntnissen ihre Befugnisse überschritten und einen Insassen mit Schlägen und Tritten misshandelt, teilte das Ermittlungskomitee in Jaroslawl mit. Derzeit werde die Gefängnisleitung zu den Vorwürfen befragt.

In der vergangenen Woche war der Fall durch die russische Investigativzeitung "Nowaja Gaseta" bekannt geworden. Sie hatte im Internet ein Video veröffentlicht, demzufolge der Insasse mehrere Minuten lang am ganzen Körper geschlagen wird. Zu sehen sind mehrere uniformierte Männer, andere halten den Insassen während der Misshandlungen fest; weitere beobachten das Vorgehen.

Das Video wurde laut "Nowaja Gazeta" im Juni 2017 aufgezeichnet. Mitarbeiter der russischen Strafvollzugsbehörde FSIN sollen die Aufnahmen selbst gedreht haben. Während der Gefängnisinsasse unter anderem mit permanenten Schlägen auf die Fußsohlen gefoltert wird, lachen die Peiniger und erklären, ihre Hand werde schon ganz lahm.

Ermittlungen wegen Drohungen gegen Anwältin des mutmaßlichen Opfers

Anwältin Irina Birjukowa, die den mutmaßlich gefolterten Insassen vertritt, hat nach Angaben von Public Verdict inzwischen aus Angst vor Repressalien Russland verlassen. Wie die Nachrichtenagentur Interfax meldet, wird bereits wegen Drohungen gegen die Juristin ermittelt.

Immer wieder prangern Menschenrechtler Folter und Misshandlungen in russischen Gefängnissen an. 2016 hatten Vorwürfe der systematischen Folter in einem russischen Straflager die Öffentlichkeit erschüttert, nachdem der damals inhaftierte oppositionsnahe Aktivist Ildar Dadin über regelmäßige Schläge und Todesdrohungen durch Gefängniswärter berichtet hatte.

bbr/ala/dpa/AFP



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