Russland Lange Haftstrafen für homophobe Mörder

Weil sie einen 29-Jährigen brutal ermordeten, sind in Russland drei junge Männer zu Lagerhaft verurteilt worden. Das Gericht geht von Homophobie als Tatmotiv aus.


Petropawlowsk-Kamtschatski - Dem Bezirksgericht der Halbinsel Kamtschatka zufolge verschleppten die drei jetzt verurteilten Täter ihr Opfer in der Nacht zum 30. Mai 2013 in ein abgelegenes Waldgebiet. Dort soll der älteste der drei Männer den angeblich Homosexuellen mit einem Messer attackiert und an Brust, Gesicht und Nacken schwer verletzt haben.

Die beiden anderen hätten den Wehrlosen brutal zusammengetreten. Schließlich hätten sie das Opfer hinter das Steuer seines Auto gesetzt und das Fahrzeug verbrannt.

Täter und Opfer stammten aus demselben Dorf. Das Gericht geht davon aus, dass die mutmaßlich "nicht-traditionelle sexuelle Orientierung", also die Homosexualität des Opfers, ein Motiv für die Straftat war.

In Russland ist seit der Einführung des Gesetzes gegen homosexuelle Propaganda im Juni 2013 jegliche positive Äußerung über gleichgeschlechtlichen Sex in Gegenwart von Minderjährigen verboten. Die gewaltsamen Übergriffe auf Schwule und Lesben haben seitdem zugenommen. Im Internet wurden äußerst brutale Videos gepostet, die zeigen, wie Schwulenhasser und Rechtsradikale Homosexuelle foltern. In Russland stand Homosexualität noch bis 1993 unter Strafe und galt bis 1999 als psychische Erkrankung.

Trotz der offen schwulenfeindlichen Rhetorik der Regierung wurden die drei homophoben Angeklagten jetzt wegen Mordes zu langen Haftstrafen verurteilt - medienwirksam kurz vor Beginn der Olympischen Spiele in Sotschi. Der mit 26 Jahren älteste Täter muss zwölf Jahre und sechs Monate in Lagerhaft. Seine 22 und 18 Jahre alten Komplizen kommen zehn Jahre und sechs Monate sowie neun Jahre hinter Gitter.

ala/AFP

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