Russland Zwangsprostitution boomt in Moskau

Recht- und wehrlos: Immer mehr Frauen werden in Russland dazu gezwungen, auf den Strich zu gehen. Zuhälter locken Ausländerinnen nach Moskau und beuten sie dann aus. Hilfsorganisationen schlagen Alarm, weil sie sich nicht um alle Opfer kümmern können.


Sie stehen an den Straßenecken Moskaus: Frauen mit kurzen Miniröcken, mit hohen Absätzen - und ohne Rechte. Sie kommen aus Afrika, Fernost und den ehemaligen Ostblockländern. Sie erhofften sich in Russlands Hauptstadt ein besseres Leben und wurden zur Prostitution gezwungen.

Straßenstrich in Moskau: In Russland boomt die Prostitution
REUTERS

Straßenstrich in Moskau: In Russland boomt die Prostitution

Nach einem Bericht des US-Senders CNN beklagen Hilfsorganisationen derzeit eine Flut von Prostituierten. Unter ihnen seien zahlreiche Frauen, die dazu gezwungen würden, ihren Körper für Geld zu verkaufen. "Sie werden hierhergebracht, weil die Wirtschaft hier boomt", sagte Afsona Kadyrova von der russischen Hilfsorganisation "Angel Coalition" gegenüber CNN. "Die schnelle Entwicklung in Moskau hat den Bedarf an billigen Arbeitern gesteigert - und auch an Prostituierten."

Kein Gesetz, kaum Kontrollen

Menschenhandel und Zwangsprostitution sind wachsende Probleme in Russland. Die Polizei ist sich dessen bewusst: Angeblich tue sie alles, um Zuhälter zu verhaften, die Frauen zur Prostitution zwingen. Die Schwierigkeiten lägen aber woanders, meinen die Verantwortlichen: "Im Prinzip haben wir offene Grenzen und kaum Kontrolle bei der Einwanderung aus unseren Nachbarländern", sagte Alexander Krasnov von der russischen Polizei gegenüber CNN. "Außerdem haben wir noch immer kein Gesetz, das die Rechte von Opfern definiert und schützt." Derzeit seien es hauptsächlich die Hilfsorganisationen, die sich um die Opfer kümmerten.

Das können die Nothelfer bestätigen: Ihnen fällt es zunehmend schwer, die stetig wachsende Zahl von traumatisierten Frauen aus Bordellen aufzufangen. Kürzlich hat die Internationale Organisation für Migration daher ein Zentrum eröffnet, in dem einige der Opfer Zuflucht suchen.

hei



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