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Anschlag in Sachsen: Fremdenfeindlicher Mob attackiert Bus mit Flüchtlingen

Wieder rechte Gewalt, wieder in Sachsen: Im Erzgebirge haben rund 30 Menschen einen Bus mit Flüchtlingen angegriffen. Es flogen Böller und Steine - der Busfahrer wurde verletzt.

In Sachsen ist es erneut zu schweren Ausschreitungen vor einer Flüchtlingsunterkunft gekommen. Eine Gruppe von bis zu 30 Menschen griff in Jahnsdorf bei Chemnitz einen Bus mit Asylsuchenden bei der Ankunft an, wie eine Polizeisprecherin mitteilte. Die Stimmung sei aggressiv gewesen. Drei bis sechs Täter hätten aus der Gruppe heraus Steine geworfen und Böller gezündet.

Der Busfahrer wurde durch einen Böller am Fuß verletzt. Auch ein Mitarbeiter des Wachdienstes wurde getroffen, er habe den Feuerwerkskörper aber noch vor der Explosion abwehren können. Eine Fensterscheibe des Busses ging zu Bruch.

Landesregierung verspricht Aufklärung

Die Polizei ermittelt nach dem Angriff wegen Landfriedensbruchs. Die Beamten griffen nach eigenen Angaben sofort ein und stellten die Identität der Beteiligten fest.

Die Flüchtlinge seien nach dem Anschlag am Donnerstagabend verängstigt gewesen und hätten die Unterkunft anschließend nicht mehr beziehen wollen, sagte eine Polizeisprecherin. Sie hätten daraufhin in einem anderen Quartier übernachtet.

"Wir werden den Verantwortlichen für diesen feigen Gewaltexzess den Prozess machen und sie zur Rechenschaft ziehen", sagte Innenminister Markus Ulbig (CDU) zu dem Vorfall in Jahnsdorf. Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) sagte: "Eine kleine radikale und hochgefährliche Minderheit versetzt das ganze Land in Schrecken." Ein Dialog sei sinnlos.

Jahnsdorf wirbt mit dem Slogan "liebenswert und lebenswert"

Die Gemeinde Jahnsdorf, die mit dem Slogan "liebenswert und lebenswert" wirbt, distanzierte sich von den Ausschreitungen - und geht davon aus, dass die Krawallmacher von außerhalb kamen. Das lasse sich aus ersten Informationen der Polizei ableiten, sagte Verwaltungsleiter Albrecht Spindler. In der Vergangenheit habe es zwar wiederholt Proteste gegen das Containerdorf für Flüchtlinge gegeben, allerdings sei alles friedlich geblieben.

In Sachsen war es in den vergangenen Monaten immer wieder zu Ausschreitungen vor Asylbewerberunterkünften gekommen, darunter in Freiberg, Freital und Meerane. Besonders heftige Krawalle gab es in Heidenau bei Dresden: Dort hatte ein rechter Mob versucht, den Einzug von Flüchtlingen in einen früheren Baumarkt zu verhindern - und sich eine Straßenschlacht mit der Polizei geliefert.

Nach Angaben der Informationsplattform "Mediendienst Integration" führt Sachsen 2015 mit großem Abstand die Liste ausländerfeindlicher Übergriffe und Aktionen in Deutschland an. Bis Ende November wurde demnach fast ein Viertel aller 2015 registrierten Brandanschläge auf Asylunterkünfte in Sachsen verübt. Seit Monaten gilt das Bundesland als Brennpunkt rassistischer Gewalt. Auch Pegida ist vor allem in Sachsen stark: Wöchentlich bejubeln Tausende in Dresden deren islamfeindliche und ausländerfeindliche Parolen.

Bundesweit wurden Flüchtlingsunterkünfte laut Bundeskriminalamt (BKA) 2015 bereits mehr als viermal so häufig angegriffen wie im Vorjahr. Bis zum 7. Dezember verzeichneten die Ermittler 817 Fälle. Für mindestens 733 Attacken seien rechtsmotivierte Täter verantwortlich.

Übergriffe in Deutschland 2015
Mehrere Vorkommnisse
Brandanschläge
Übergriffe auf Flüchtlinge
Weitere Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte
Quelle: Amadeu Antonio Stiftung und Pro Asyl / Polizei / eigene Recherchen / dpa
Stand: 7. Januar 2016
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apr/dpa

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