Säureangriff: Bolschoi-Direktor macht Tänzer verantwortlich

Säureangriff auf Ballettchef: Bolschoi-Direktor macht Startänzer verantwortlich Fotos
AFP

Wer schüttete dem Balletchef des weltberühmten Bolschoi-Theaters Säure ins Gesicht? Geht es nach dem Direktor des Moskauer Hauses, ist der Fall klar: Ein Startänzer sei schuld am Anschlag auf Sergej Filin. Der Beschuldigte widerspricht.

Moskau - Der Generaldirektor des Moskauer Bolschoi-Theaters hat den Meistertänzer Nikolai Ziskaridze indirekt für die Säureattacke auf den Ballettchef Sergej Filin verantwortlich gemacht. Der Startänzer habe die Atmosphäre geschaffen, die zu dem Angriff auf Filin geführt habe, sagte Bolschoi-Chef Anatoli Iksanow dem Magazin "Snob".

"Ich habe nur ein Gefühl: Das Geschehene ist das natürliche Ergebnis des Chaos, das vor allem von Nikolai Maximowitsch Ziskaridze gesät wurde", sagte Iksanow dem Blatt.

Die "Tragödie" um Filin sei nur möglich gewesen vor dem Hintergrund von Ziskaridzes "Vorwürfen gegen das Theater und dessen Personal, der konstanten Intrigen und seiner Sicherheit, ungestraft davonzukommen". Der Bolschoi-Direktor beschrieb den Startänzer als "verrückt vor Ehrgeiz". Nachdem er bei der Neubesetzung des Ballettchef-Postens übergangen worden sei, habe er den Job des Generaldirektors oder gar den Posten des musikalischen Direktors haben wollen, der normalerweise einem Dirigenten vorbehalten ist.

Iksanow sagte, es gebe zudem "keinen Zweifel", dass Ziskaridze in eine Schmutzkampagne gegen den ehemaligen Tänzer Gennadij Janin verwickelt gewesen sei. Dieser musste 2011 zurücktreten, nachdem Fotos von einer schwulen Sex-Orgie im Netz verbreitet wurden, an der Janin angeblich beteiligt war. Janin war damals für den Posten des Ballettchefs designiert, um den sich auch Ziskaridze beworben hatte.

Ziskaridze wies die Vorwürfe zurück. Er habe keine Verbindung zu dem Säureangriff auf Filin "außer Mitgefühl für Sergej", sagte er "Snob". Auch mit der Schmutzkampagne gegen Janin habe er nichts zu tun, er sei vielmehr lange Jahre mit dem Tänzer befreundet gewesen.

Ein Unbekannter hatte Ballettchef Filin Mitte Januar Säure ins Gesicht geschüttet. Der ehemalige Weltklassetänzer erlitt Verätzungen dritten Grades im Gesicht und an den Augen. Mittlerweile wird er in einer Aachener Klinik behandelt. Die russische Polizei vermutet einen beruflichen Hintergrund als Motiv der Attacke.

bim/AFP

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