Salzgitter: Angehörige ließen geistig Behinderten offenbar verhungern

Er war geistig behindert, pflegebedürftig und lebte in einem völlig verwahrlosten Zimmer: In Salzgitter ist die Leiche eines 54-Jährigen entdeckt worden. Offenbar hatten seine Angehörigen ihn verhungern lassen. Gegen die Mutter und den Bruder des Mannes wird nun ermittelt.

Salzgitter - Ein geistig behinderter Mann aus Salzgitter ist in seiner Wohnung verhungert. Die Leiche des 54-Jährigen wurde bereits am vergangenen Donnerstag entdeckt. "Das Zimmer, in dem er lebte, war völlig verwahrlost", sagte ein Polizeisprecher am Montag. "Die Obduktion am Freitag hat ergeben, dass der Mann verhungert ist", zitiert die "Salzgitter-Zeitung" den Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig Klaus Ziehe.

Der Mann hatte mit seiner Mutter in der Wohnung eines Mehrfamilienhauses gelebt. Wie ein Sprecher der Stadt Salzgitter mitteilte, war der 54-Jährige pflegebedürftig - sein Bruder war demnach vom Amtsgericht als Betreuer eingesetzt worden.

Die beiden Angehörigen des Mannes wurden festgenommen. Gegen sie werde nun wegen Totschlags durch Unterlassen ermittelt, sagte der Polizeisprecher. Haftbefehl sei gegen die Mutter und den Bruder des Verstorbenen jedoch nicht erlassen worden.

Im Moment gebe es keine Anzeichen dafür, dass Absicht bei dieser Tragödie im Spiel gewesen sei, sagte Ziehe in der "Salzgitter-Zeitung". "Aber offenbar ist die Betreuung aus dem Ruder gelaufen, so wie sich die Situation darstellt. Wenn man das nicht selber gesehen hat, hält man es nicht für möglich."

aar/dapd

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