Anschlag in Salzhemmendorf Verteidiger fordern milde Strafen für Brandstifter

Zwei Männer und eine Frau haben in Niedersachsen einen Brandanschlag auf eine Flüchtlingswohnung verübt. Die Anklage fordert lange Haftstrafen, die Gegenseite hat nun auf milde Strafen plädiert.

Angeklagter Sascha D. im Landgericht Hannover
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Angeklagter Sascha D. im Landgericht Hannover


Im Prozess um den Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft im niedersächsischen Salzhemmendorf hat die Verteidigung eine milde Strafe für die beiden geständigen Hauptbeschuldigten gefordert. Für den 31 Jahre alten Dennis L., der einen Molotowcocktail in das Flüchtlingsheim geworfen hatte, plädierte sein Verteidiger vor dem Landgericht Hannover auf eine Strafe von nicht mehr als fünf Jahren.

Der Angeklagte habe die Tat bereut und sich entschuldigt, hieß es zur Begründung. Zudem sei am Ende niemand körperlich zu Schaden gekommen. Auch für den 25 Jahre alten Sascha D. bat die Verteidigung um eine milde Strafe, ohne ein konkretes Strafmaß zu nennen. Der junge Mann habe sofort den älteren Beschuldigten und eine weitere angeklagte Frau als Tatbeteiligte genannt. Beide Männer, so die Verteidigung, seien zudem stark betrunken gewesen.

Ein Molotowcocktail war Ende August in ein überwiegend von Asylbewerbern bewohntes Haus in Salzhemmendorf geworfen worden. Zum Prozessauftakt legten die Angeklagten ein Geständnis ab. Bei einer Verurteilung wegen versuchten Mordes müssen sie mit Haftstrafen zwischen drei und 15 Jahren rechnen. Nur durch Zufall war bei dem Brandanschlag niemand verletzt worden.

Wikingerschiff mit einer Odal-Rune auf der Brust

Die Staatsanwaltschaft hatte Anfang März lange Haftstrafen für die drei Angeklagten gefordert. Für den Werfer des Molotowcocktails forderte die Staatsanwältin eine achtjährige Freiheitsstrafe, der 25-jährige Angeklagte soll für sieben Jahre ins Gefängnis. Für die 24 Jahre alte Saskia B., die beide Männer zum Tatort fuhr, forderte die Staatsanwältin vier Jahre und zwei Monate Haft.

Die Angeklagten streiten eine fremdenfeindliche Gesinnung ab. Hauptauslöser sei wohl der Alkohol gewesen, gaben sie an. Ein Gutachter widersprach dem jedoch. Auch die Auswertungen ihrer Handys und Aussagen von Zeugen ergaben ein anderes Bild.

So beschrieb ein Ermittler des Staatsschutzes im Prozess etwa die Tätowierungen des mutmaßlichen Haupttäters Dennis L. Der 31-Jährige trägt ein Wikingerschiff mit einer Odal-Rune auf der Brust sowie einen Wikinger mit einem Totenkopfring auf dem Arm. Die Embleme seien in der Nazizeit von der SS und auch von der in den Neunzigerjahren verbotenen Neonazi-Organisation Wiking-Jugend benutzt worden, sagte der Polizist.

mxw/dpa

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