Saudi-Arabien: Australischer Mekka-Pilger wegen Gotteslästerung zu 500 Peitschenhieben verurteilt

Er pilgerte nach Mekka - da schnappte ihn die Religionspolizei: Ein gebürtiger Iraner mit australischem Pass ist in Saudi-Arabien zu Haft und 500 Peitschenhieben verurteilt worden. Der diabetes- und herzkranke Mann soll Gefährten des Propheten Mohammed beleidigt haben.

Mekka - Mansor Almaribe ist gebürtiger Iraner und lebt in Australien. Mitte November war der gläubige Muslim zur Hadsch nach Mekka in Saudi-Arabien gepilgert. Während des Gebets schnappten sich Beamte der örtlichen Religionspolizei den fünffachen Vater und nahmen ihn fest. Der Vorwurf: Almaribe soll die Gefährten des Propheten Mohammed beleidigt haben.

Wie das australische Außenministerium an diesem Mittwoch bestätigte, wurde der 45-Jährige am Dienstag verurteilt - zu einem Jahr Haft und 500 Peitschenhieben. Das australische Außenministerium erklärte, zunächst habe das Urteil auf zwei Jahre Haft und 500 Peitschenhiebe gelautet. Die Richter hätten die Haftzeit jedoch später reduziert.

Eine Abgeordnete der australischen Liberalen, Sharman Stone, hatte sich an Außenminister Kevin Rudd gewandt und ihn gebeten, einzuschreiten und zu versuchen, "das Urteil ganz aufheben zu lassen, so dies möglich ist". Man sei in Kontakt mit den Behörden in Riad, sagte eine Botschaftssprecherin. Die Zeitung "The Age" berichtet, der australische Botschafter in Saudi-Arabien, Neil Hawkins, setzte sich derzeit dafür ein, dass man im Fall Almaribe mildernde Umstände gelten lasse.

Khaluf Alsalim, Sozialarbeiter in der Gemeinde Shepparton im südlichen Bundesstaat Victoria, bürgte für die Familie und den Verurteilten. Almaribe habe einen guten Charakter, er habe in der Vergangenheit nie Probleme mit Mitbürgern oder den australischen Behörden gehabt, sagte er ABC News. Auch die Söhne seien wohlgeraten und erfolgreich im Studium. "Wir versuchen, die Familie zu unterstützen und unser Mitgefühl über die Situation auszudrücken. Früher oder später wird der Vater freikommen."

Was genau in Mekka vorfiel, bleibt ein Rätsel. Sharman sagte ABC News, angeblich habe Almaribe zwei Gefährten des Propheten verflucht, was von mindestens einer Person bezeugt wurde. Almaribe habe nicht vor, gegen das Urteil in Berufung zu gehen, weil er dann mit großer Wahrscheinlichkeit mit einer höheren Strafe rechnen müsse.

Die Familie des in Medina inhaftierten Mannes ist aufs Äußerste besorgt: Almaribes Sohn Mohammed sagte dem Sender ABC News, sein Vater habe nicht genug Geld, sich einen Anwalt zu nehmen. Zudem leide er an Diabetes und Herzproblemen. "Er könnte noch nicht einmal 50 Peitschenhiebe überleben", so der Sohn.

ala

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