Frauenrechte Saudi-Arabien will sexuelle Belästigung unter Strafe stellen

Frauen werden in Saudi-Arabien bisher stark eingeschränkt. Um das Land zukunftsfähig zu machen, soll sich das ändern. Jüngste Maßnahme: Sexuelle Belästigung soll strafbar werden.

Saudi-arabische Frauen bei einer Auto-Ausstellung
AFP

Saudi-arabische Frauen bei einer Auto-Ausstellung


Wer in Saudi-Arabien übergriffig wird und Frauen begrapscht, muss bisher keine Konsequenzen fürchten. Sexuelle Belästigung ist in dem Land nicht strafbar. Das soll sich künftig ändern. Der Schura-Rat, der das Kabinett berät, habe einen entsprechenden Gesetzentwurf gebilligt, teilten die Behörden mit.

Künftig sollen damit Haftstrafen von bis zu fünf Jahren und Geldstrafen von 300.000 Rial (69.000 Euro) möglich sein. Das Gesetz fülle "ein großes gesetzgeberisches Vakuum" und diene als Abschreckung, sagte Schura-Rats-Mitglied Latifa al-Schaalan laut einer Mitteilung des Informationsministeriums.

Darin heißt es auch: "Das Gesetz zielt darauf, sexuelle Belästigung zu bekämpfen, zu verhindern und Strafen für entsprechende Angreifer zu verhängen. Es soll Opfer und deren Privatsphäre, Würde und persönliche Freiheit schützen, die nach islamischen Regeln und Gesetzen garantiert sind."

Reine Kosmetik oder ernst gemeint?

Die Maßnahme passt zu einer Reihe von Reformen, die Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman zuletzt eingeleitet hatte. Er will mehrere strenge Regeln lockern, um das stark konservativ geprägte muslimische und vom Ölexport abhängige Land moderner zu machen - insbesondere aus wirtschaftlichen Interessen. Dazu gehört auch, den bisher stark eingeschränkten Frauen mehr Rechte einzuräumen.

Zu den Reformen zählt etwa eine stärkere Beteiligung von Frauen am Wirtschaftsleben. Am 24. Juni soll zudem das Fahrverbot für Frauen aufgehoben werden. Sie dürfen dann im Auto selbst am Steuer sitzen.

Viele Aktivisten kritisieren jedoch, die Reformen seien reine Kosmetik. Anfang Mai hatten die Behörden rundein Dutzend Frauenrechtlerinnen festgenommen, die unter anderem für die Aufhebung des Fahrverbotes gekämpft hatten. Die Vereinten Nationen hatten Saudi-Arabien am Dienstag aufgefordert, Auskunft über den Verbleib der Frauen zu geben und deren Rechte zu wahren.

fok/Reuters/AFP



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.