Schanzenviertel Hamburger Polizei stürmt "Rote Flora"

Am frühen Sonntagmorgen flogen in der Hamburger Schanze Steine und Flaschen: Vor dem autonomen Zentrum "Rote Flora" wurden zwei Polizisten attackiert. Als sich die Angreifer in dem Gebäude verschanzten, stürmte die Polizei das Haus.


Hamburg - Blutiger Einsatz am Sonntagmorgen gegen 5.45 Uhr: Zwei Polizisten in einem Streifenwagen haben vor dem autonomen Zentrum "Rote Flora" im Hamburger Schanzenviertel einen Streit zwischen zwei Personen beobachtet und schlichten wollen, sagte ein Sprecher SPIEGEL ONLINE. Der Mann und die Frau attackierten einander mit Reizgas und einem Messer.

Als die Beamten den Mann festnahmen, wurden sie von Gästen des Kulturzentrums angegriffen. Den linken Sympathisanten gelang es, den Festgenommenen, der ihrem Lager zugerechnet wird, zu befreien. Die Beamten wurden mit Steinen und Flaschen beworfen. Sie flüchteten in ihren Streifenwagen zurück, eine Scheibe des Autos ging zu Bruch und eine Polizistin wurde durch Glassplitter verletzt. Die Verdächtigen verschanzten sich daraufhin in dem Gebäude.

"Insgesamt befanden sich zehn Personen in dem Gebäude und weigerten sich herauszukommen", sagte der Polizeisprecher SPIEGEL ONLINE. Die Polizei forderte Verstärkung an. Den Einsatzkräften gelang es gegen Mittag, die Türen des Szenetreffs aufzusägen und mehrere Menschen festzunehmen.

"Wir haben angeklopft und es wurde uns nicht geöffnet", sagte Dienstgruppenleiter Jens Mollenhauer. Als die Beamten das Gebäude schließlich räumte, Polizisten auf dem Balkon der Roten Flora erschienen und mehrere Menschen aus dem Gebäude abgeführt wurden, riefen Dutzende Sympathisanten: "Es leben die Gefangenen." Sie hatten in dem linken Kulturzentrum bis zum Morgen eine Elektroparty gefeiert.

Während der Aktion kreiste ein Hubschrauber über dem Gebäude und mehrere Wasserwerfer wurden aufgefahren.

Das Stadtteilzentrum ist in der Vergangenheit wegen verschiedener Gewaltakte immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Das 1989 von Autonomen besetzte ehemalige Theater dient als Treffpunkt linker Gruppen und war schon häufiger Ausgangspunkt für Randale im Schanzenviertel. Polizeiwagen wurden wiederholt in Brand gesetzt, Polizisten mit Steinen und Farbbeuteln angegriffen. In der Nacht zum 1. Mai liefern sich Autonome und Polizisten an der "Flora" immer wieder Straßenschlachten.

jjc/dpa



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