Schießerei bei Denver 12 Tote, Dutzende Verletzte bei Batman-Premiere

Der Täter eröffnete das Feuer im Kinosaal: In der Nähe von Denver sind bei einer Premiere des neuen Batman-Films 12 Menschen erschossen und etwa 50 verletzt worden. Die Polizei hat einen Verdächtigen festgenommen - er trug eine Gasmaske. Jetzt durchsuchen die Ermittler die Wohnung des 24-Jährigen.


Denver - Der Angriff begann etwa eine halbe Stunde nach Mitternacht: Bei einer Premiere des neuen Batman-Films "The Dark Knight Rises" in einem Vorort von Denver hat ein Mann 12 Menschen erschossen und etwa 50 verletzt. Das gab Dan Oates bekannt, der Polizeichef der Stadt Aurora. Die Polizei hatte zunächst von 14 Toten gesprochen, korrigierte die Angaben aber einige Stunden später.

Der Mann habe eine Gasmaske und eine schusssichere Weste getragen, als er etwa 15 Minuten nach dem Filmstart in das Kino eingedrungen sei. Er habe eine Rauch- oder Tränengasbombe gezündet. "Augenzeugen sagten uns, er habe eine Art Granate mitgebracht. Sie hörten ein zischendes Geräusch, Gas wurde freigesetzt, dann begann er zu schießen", sagte Oates.

Die Lage war nach dem Zwischenfall chaotisch. Zunächst war unklar, ob und wie viele Menschen dem Schützen zum Opfer fielen. Später verkündete Oates die grausige Nachricht. Der Schütze hat etliche Menschen getötet und verletzt. Im Krankenhaus werden viele der Verwundeten behandelt. Unter den Verletzten sollen auch Kinder sein.

Der Täter wurde auf einem Parkplatz hinter dem Kino festgenommen, sagte Oates. Laut Polizei heißt der Mann James Holmes und ist 24 Jahre alt. Er hatte eine Handfeuerwaffe und ein Gewehr bei sich. Die Polizisten hätten noch eine weitere Waffe im Kino und in seinem Auto gefunden, sagte Oates auf einer improvisierten Pressekonferenz, die vom Sender 9News übertragen wurde.

Die Ermittler gehen derzeit von der Tat eines Einzelnen aus - in ersten Medienberichten war von einem möglichen zweiten Schützen die Rede gewesen. "Darauf deutet derzeit nichts hin", sagte Oates. Die Polizei versucht nun anhand von Augenzeugen das Verbrechen aufzuklären. Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund liegen nach ersten Ermittlungen laut Bundespolizei FBI nicht vor.

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Viele Tote und Verletzte: Schießerei bei Batman-Premiere
Die Tat ereignete sich in Kinosaal neun. Einige Besucher waren verkleidet, der Blockbuster aus der Batman-Reihe war mit Spannung erwartet worden. Fernsehbilder zeigen, wie Kinder in Batman-Kostümen aus dem Kinocenter kamen.

Laut Augenzeugen schlugen auch in einem benachbarten Saal Kugeln ein. "Viele Leute dachten, die Schüsse seien Teil des Films", sagte Brenda Stuart, Reporterin eines lokalen Radiosenders. Die unverletzten Kinobesucher wurden nach der Tat in einer örtlichen Schule betreut.

Der Täter habe bei seiner Vernehmung von weiteren Sprengsätzen in seiner Wohnung gesprochen. Das Gebäude, in dem der Täter wohnte, wurde evakuiert. Spezialeinsatzkräfte untersuchten das Gebäude zunächst von außen. Stunden nach dem Vorfall waren schwer geschützte Beamte im Einsatz, über eine Feuerwehrleiter wurden sie auf Höhe des oberen Stockwerks des Gebäudes gehoben. Offenbar bereiteten sie sich darauf vor, über ein Fenster in die Wohnung des Schützen einzudringen.

Die Einsatzkräfte gingen mit größter Vorsicht vor: Sie trugen Helme und FBI-Schutzwesten. Mit langen Holzstangen zerschlugen sie ein Fenster im oberen Stockwerk.

"Wir sollten die Menschen in unsere Gebete einschließen"

Bereits zuvor habe die Polizei mit einem Roboter das Auto des Verdächtigen auf Sprengstoff untersucht, hieß es in dem TV-Bericht. Weitere Angaben über die Identität des Schützen machte Oates nicht. Für den Vormittag (18 Uhr MESZ) kündigte er eine Pressekonferenz an.

"Michelle und ich sind schockiert und betroffen von dem schrecklichen Angriff in Colorado", teilte US-Präsident Barack Obama in einer Stellungnahme mit. "Wir alle sollten die Menschen von Aurora in unsere Gebete einschließen und ihnen in dieses schwierigen Stunden beistehen."

Hayden Miller saß in Saal 16, als der Angriff geschah. Er habe mehrere Schüsse und kleine Explosionen gehört, sagte er 9News. "Kurz danach hörten wir Menschen schreien." Er habe zunächst geglaubt, es handelte sich um Filmgeräusche aus einem anderen Saal. "Dann sahen wir, wie Leute gebückt aus dem Kino rannten."

"The Dark Knight Rises" bildet den Abschluss von Christopher Nolans düsterer Batman-Trilogie. In dem Film nimmt der entstellte Bösewicht Bane Gotham City mittels einer Atombombe in Geiselhaft und stiftet die Bewohner zum Aufstand gegen die korrupten Eliten an. In standgerichtlichen Verfahren werden Repräsentanten des "ancient regime" entweder zum Tod durch Erschießen oder zum Gang ins Exil verurteilt.

Die Premiere des Films in Paris wurde wegen des tödlichen Angriffs in Denver abgesagt.

hut/cis/AP



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