Fünf Tote im Flughafen Täter von Fort Lauderdale checkte Waffe legal ein

Der 26-Jährige, der am Flughafen von Fort Lauderdale fünf Menschen erschossen hat, ist ein Irak-Veteran. Vor zwei Monaten soll er verwirrt in einer FBI-Agentur in Alaska aufgetaucht sein.


Esteban Santiago sagte kein Wort, während er im Flughafen Fort Lauderdale in Florida fünf Menschen erschoss und acht weitere verletzte. "Er war die ganze Zeit ruhig", sagte ein Augenzeuge laut Medienberichten. Als dem Mann im "Star Wars"-T-Shirt die Munition ausging, legte er sich mit ausgebreiteten Armen auf den Boden und ließ sich festnehmen. Die Polizei gab keinen Schuss ab.

Auch Stunden nach dem Blutbad bleibt die Frage nach dem Motiv offen. Dafür beginnt eine Diskussion über die Sicherheit an Flughäfen. Santiago, ein ehemaliger Soldat, hatte eine Neun-Millimeter-Pistole und Munition ganz legal im Gepäck aufgegeben.

Der Täter, bei dem ein Armeeausweis gefunden wurde, war mit einer Delta-Air-Lines-Maschine aus Anchorage in Alaska in Fort Lauderdale gelandet. Der 26-Jährige nahm sein Gepäck vom Band, verschwand auf der Toilette und lud die Waffe durch. Gegen 13 Uhr am Freitag betrat er den Gepäckausgabebereich im Terminal 2 und begann sofort zu feuern.

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Flughafen in Fort Lauderdale: Ex-Soldat erschoss fünf Menschen

Der Augenzeuge John Schlicher sagte Fox News: "Ich hörte den ersten Schuss." In dem Moment sei ein Mensch genau neben ihm auf den Boden gestürzt. "Es war sehr surreal." "Er hat willkürlich auf Leute gezielt", sagte Mark Lea dem Sender MSNBC. Die Passagiere gerieten in Panik, viele suchten Schutz auf dem Rollfeld des Flughafens. In dem Chaos erlitten fast 40 Menschen Verletzungen wie Beinbrüche und Prellungen.

Der Pressesprecher des früheren US-Präsidenten George W. Bush, Ari Fleischer, befand sich zum Zeitpunkt der Tat zufällig am Flughafen. "Es fallen Schüsse, alle rennen", schrieb Fleischer auf Twitter.

Esteban Santiago ist ein Ex-Soldat der Nationalgarde von Puerto Rico und Alaska. Er diente seit 2007 und war laut dem US-Verteidigungsministerium von April 2010 bis Februar 2011 im Irak stationiert. Im August 2016 wurde er wegen ungenügender Leistung aus der Armee entlassen, wie eine Sprecherin der Nationalgarde in Alaska sagte. Zuletzt wohnte er in Anchorage, wo er als Wachmann arbeitete.

Bei einer Pressekonferenz antworteten Behördenvertreter auf die Frage, ob ein terroristisches Tatmotiv infrage komme, für eine Antwort darauf sei es "noch zu früh". US-Präsident Barack Obama sagte auf ABC News, er sei "untröstlich" über die Gewalttat. Zum Tatmotiv wollte auch er sich vorerst nicht äußern.

Wirre Äußerungen in FBI-Büro

Santiago ist möglicherweise psychisch krank. Im November sei der Irak-Veteran in ein Büro des FBI in Anchorage gekommen, sagte George Piro von der Bundespolizei FBI in Miami. Dort habe er sich verwirrt gezeigt, sei der Polizei übergeben und in eine psychiatrische Klinik gebracht worden. Esteban habe behauptet, dass sein Gehirn vom US-Geheimdienst kontrolliert würde und er Propaganda-Videos der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) ansehen müsste.

Das FBI habe bei Nachforschungen nach dem bizarren Besuch keine Hinweise auf eine Radikalisierung gefunden, sagte Piro. Es habe auch keine Auslandsreisen gegeben, die auf irgendwelche Kontakte zum IS hindeuteten. Bekannten soll er laut Piro gesagt haben, er höre Stimmen, die ihn dazu drängten, sich dem IS anzuschließen.

Seine Familie bestätigte, dass Santiago in Alaska in psychologischer Behandlung gewesen sei. "Als er aus dem Irak kam, fühlte er sich nicht gut", sagte sein Onkel Hernan Rivera der Zeitung "The Record". "Es war, als ob er seinen Verstand verloren hatte", sagte seine Tante Maria Ruiz. "Er sagte, er würde Dinge sehen." Vor Kurzem sei er Vater geworden und habe unter großer Belastung gestanden.

"Er war ein ernster Mensch", sagte sein Bruder Bryan Santiago der Nachrichtenagentur AP, "er war ganz normal." Sein Bruder sei in New Jersey geboren und mit zwei Jahren nach Puerto Rico gezogen. Dort wuchs er in der Küstenort Penuelas auf, bevor er 2007 seinen Dienst in der US-Armee aufnahm.

Transport von Schießwaffen ist erlaubt

Esteban Santiago konnte seine Pistole und seine Munition ganz legal von Anchorage nach Florida transportieren. In den USA ist der Transport von Schusswaffen erlaubt, wenn sie nicht geladen, in einer stabilen Box und mit dem Gepäck aufgegeben werden. Im Handgepäck dürfen sie nicht mitgeführt werden.

In Deutschland wird ebenso verfahren. Bei Inlandsflügen müssen Waffen zuvor bei den Fluggesellschaften angemeldet werden, und ein Waffenschein muss mitgeführt werden. Beim Check-in kontrolliert die Bundespolizei den Waffenkoffer und die Papiere. An der Gepäckausgabe wiederum müssen die Waffen persönlich abgeholt werden. Ein Vorfall wie in den USA könnte wohl auch hierzulande nicht verhindert werden.

In den USA hat nun eine Diskussion darüber begonnen, ob die Regeln für den Transport für Waffen und die Sicherheitsmaßnahmen am Flughafen ausreichen. Ein Sprecher der zuständigen Transportation Security Administration (TSA) wollte nicht kommentieren, ob der Vorfall in Fort Lauderdale zu einer Verschärfung der Gesetze führen könnte.

Der Flughafenbetrieb wurde vorübergehend unterbrochen. Der Fort Lauderdale-Hollywood International Airport ist Zwischenstopp für viele Touristen, die eine Kreuzfahrt oder einen Urlaub in der Karibik gebucht haben. Auch nach der Festnahme des Schützen durften die Reisenden stundenlang den Flughafen nicht verlassen.

abl/AFP/dpa/Reuters/AP



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