Schleswig-Holstein Polizei findet fünf Kinderleichen - Mutter dringend tatverdächtig

Furchtbare Gewalttat im Kreis Plön in Schleswig-Holstein: Die Polizei hat in einem Einfamilienhaus die Leichen von fünf Kindern gefunden. Die Jungen im Alter von drei bis neun Jahren wurden ermordet - wahrscheinlich von ihrer psychisch kranken Mutter.


Darry - Die Polizei teilte am Abend mit, die Kinderleichen seien am Nachmittag in dem Ort Darry in der Gemeinde Panker im Kreis Plön gefunden worden. Nach ersten Ermittlungen wurden sie ermordet.

Tatverdächtig ist nach Angaben der Polizei die 31-jährige Mutter der Kinder. Die Frau sei in ein psychiatrisches Krankenhaus eingeliefert worden. Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen dürfte das Motiv in der psychischen Erkrankung der Frau zu suchen sein, hieß es der Mitteilung der Polizei weiter.

Eine Polizeisprecherin sagte SPIEGEL ONLINE, die Mutter selbst habe den Hinweis auf die Tat gegeben. Die Staatsanwaltschaft fügte hinzu, die Frau habe sich am Nachmittag einem Arzt anvertraut. Der habe die Polizei informiert.

Die Mordkommission der Kriminalinspektion Kiel hat in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Kiel die Ermittlungen aufgenommen.

Oberstaatsanwalt Uwe Wick wollte laut Nachrichtenagentur dpa keine näheren Angaben zu den Umständen des Todes der Kinder machen. Die "Welle Nord" des NDR berichtete, nach ersten Informationen seien die Kinder mit Tabletten vergiftet und danach mit einer Plastiktüte erstickt worden. Oberstaatsanwalt Wick bestätigte dies nicht. "Wir wollen die Obduktion am Donnerstagmorgen abwarten", sagte er.

Familie war erst vor wenigen Monaten zugezogen

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE war die Familie erst vor rund drei Monaten in den Ort Darry gezogen, in dem etwa 600 Menschen leben. Offenbar sind die Kinder von zwei verschiedenen Vätern, die beide nicht mit in dem Ort wohnten. Der eine soll in Berlin leben und auf dem Weg nach Schleswig-Holstein sein. Der andere soll selbst in Schleswig-Holstein wohnen.

Schon unmittelbar nach dem Umzug nach Darry soll Lehrern der örtlichen Grundschule, die die älteren beiden Kinder besuchten, deren verwahrloster Zustand aufgefallen sein. So seien sie etwa im November ohne Jacke oder mit alten Pausenbroten in der Schule aufgetaucht, sagte Bürgermeister Olaf Arnold gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Das Jugendamt war informiert und wollte die Familie offenbar auch heute aufsuchen, nachdem die Kinder nicht in der Schule erschienen waren. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hat eine Mitarbeiterin des Amtes die Leichen gefunden - ob gemeinsam mit der Polizei ist nicht bekannt. Sie wird derzeit offenbar seelsorgerisch behandelt.

Die Bewohner des Dorfes zeigten sich am Abend schockiert. Eine 64jährige Frau stand weinend in der Nähe des Hauses: "Hoffentlich haben sie nicht so gelitten". Ein 14jähriger Schüler war mit seinem Vater zum Tatort gekommen. "Es ist einfach nur schrecklich, dass so etwas in unserem kleinen Dorf passieren kann", so der Junge. "Das gibt es doch nur in den USA und nicht bei uns", sagte ein Nachbar.

Die schleswig-holsteinische Landesregierung zeigte sich in einer ersten Reaktion bestürzt. "Die furchtbare Tat wirft viele Fragen auf, die wir zurzeit nicht beantworten können. Wir stehen mit Fassungslosigkeit vor fünf jungen Menschen, die jetzt tot sind", erklärten Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) und Innenminister Ralf Stegner (SPD).

phw/dpa



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