Reaktionen auf Schorndorfer Krawalle "Eine erschütternde Entwicklung"

Nach den Krawallen auf dem Volksfest in Schorndorf debattieren Politik und Polizei über Konsequenzen. Woher kommt die Gewalt - und was lässt sich dagegen tun?

Polizisten sichern die Schorndorfer Woche
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Polizisten sichern die Schorndorfer Woche


Wegen der Ausschreitungen und sexuellen Übergriffe auf junge Frauen auf dem Schorndofer Stadtfest ist eine Debatte über die richtige Sicherung solcher Veranstaltungen entbrannt. Als "völlig inakzeptabel" bezeichnete der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl die Vorfälle. Die Polizei werde nun auf dem Volksfest deutlich mehr Präsenz zeigen, sagte der CDU-Politiker.

"Schuld ist nicht die Polizei, sondern schuld sind die, die Frauen begrapschen, übergriffig sind, Straftaten begehen, Polizisten mit Flaschen bewerfen, Gewalt ausüben. Ich kann nur davon abraten, ein Schwarzer-Peter-Spiel zu beginnen", sagte Strobl. Die AfD-Fraktion im Stuttgarter Landtag beantragte jedoch bereits eine aktuelle Debatte zum Thema "Schorndorfer Stadtfest: Die 'Kölner Silvesternacht' ist in der schwäbischen Provinz angekommen".

Die Partei zieht damit eine Parallele zu den Übergriffen an Silvester 2015/2016. Die Zahl der bisher in Schorndorf angezeigten sexuellen Übergriffe erreicht dabei jedoch längst nicht das Ausmaß der Kölner Silvesternacht, nach der es Hunderte Anzeigen gegeben hatte. Laut Polizei wurden zwei Frauen begrapscht, bei den mutmaßlichen Tätern handele es sich um Flüchtlinge.

Bei dem Stadtfest östlich von Stuttgart hatte es in der Nacht zu Sonntag zudem schwere Ausschreitungen gegeben. Festgäste und Polizisten waren aus einer Ansammlung von rund tausend jungen Menschen im Schlosspark heraus angegriffen worden, aus der Menge flogen Flaschen. Die Polizei hatte nach eigenen Angaben die Lage "nicht immer im Griff".

"Heute fast an der Tagesordnung"

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Baden-Württemberg zeigte sich angesichts dessen entsetzt. "Es ist eine erschütternde Entwicklung, betrachtet im Lichte der vergangenen G20-Krawalle, nun Ausschreitungen in einer rund 40.000 Einwohner zählenden Gemeinde hinnehmen zu müssen", sagte der baden-württembergische GdP-Vizechef Carsten Beck der "Heilbronner Stimme".

Das Thema Gewalt gegen Polizeibeamte werde seit Jahren öffentlich diskutiert, trotzdem steige die Zahl der Delikte in diesem Bereich an. "Beleidigungen, anspucken, schlagen und treten bis hin zum lebensgefährlichen Angriff, ist heute fast an der Tagesordnung", sagte Beck.

Für die Zukunft müsse ein Maßnahmenpaket in Zusammenarbeit mit der kommunalen Verwaltung geschnürt werden. "Hier kann man über teilweise Sperrungen von Plätzen nachdenken, dunkle Bereiche ausleuchten und gegebenenfalls mehr Ordner einsetzen." Man müsse sich aber auch die Frage stellen, woher diese zusätzlichen Kräfte kommen sollen.

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, sagte dem SWR, die Veranstalter von Festen hätten ein "Hausrecht und das beinhaltet auch eine Hauspflicht". Sie müssten deshalb mehr Geld in private Sicherheitsdienste investieren. Die jeweilige Kommune müsse "mit Platzverweisen und Betretungsverboten" arbeiten, denn es sei "unerträglich, dass diejenigen, die heute bei einem solchen Fest auffallen mit Randale oder sexueller Belästigung, am nächsten Tag schon wieder auf derselben Festveranstaltung sind".

Für den Ausklang der 49. Schorndorfer Woche hatte derweil noch die Polizei angekündigt, ihre Kräfte zu verstärken. Dunkle Ecken auf dem Festgelände sollten besser ausgeleuchtet werden - und die Veranstaltung mit mehr Polizei gesichert werden.

Vor den Krawallen hätten vor allem Abiturienten und Realschüler auf dem Volksfest gefeiert, sagte Schorndorfs Oberbürgermeister Matthias Klopfer dem SWR. Gegen Mitternacht sei es zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen gekommen. Später seien auch mehrere Menschen mit Migrationshintergrund und Asylbewerber hinzugekommen - dies sei aber nicht der Großteil gewesen, sagte der SPD-Politiker.

apr/dpa



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