Polizei über Krawalle auf Schorndorfer Woche "Situation nicht immer im Griff"

Die Ausschreitungen und sexuellen Übergriffe auf einem schwäbischen Volksfest haben die Sicherheitskräfte stark gefordert. Jetzt hat sich der Polizeipräsident dazu geäußert.

Oberbürgermeister Matthias Klopfer und Polizeipräsident Roland Eisele
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Oberbürgermeister Matthias Klopfer und Polizeipräsident Roland Eisele


Die Krawalle und sexuellen Übergriffe auf junge Frauen auf dem Schorndorfer Stadtfest haben die Polizei zeitweise an ihre Grenzen gebracht. "Die Polizei hatte die Situation nicht immer im Griff", sagte der zuständige Aalener Polizeipräsident Roland Eisele angesichts der Gewaltausbrüche.

Die Einsatzkräfte hätten sich kurzzeitig zurückziehen und neu aufstellen müssen. Erst mit Kräften aus anderen Orten habe man die Lage unter Kontrolle bekommen. Die Beamten mussten ihre Schutzmontur anlegen. Polizeipräsident Eisele sagte aber auch: "Ein Ausnahmezustand ist für mich etwas anderes."

Für die beiden letzten Tage der 49. Schorndorfer Woche hat die Polizei ihre Einsatzkräfte in der baden-württembergischen Stadt nun massiv aufgestockt. Dunkle Ecken auf dem Festgelände sollen zudem stärker ausgeleuchtet werden, kündigte Eisele an.

Bei dem Stadtfest östlich von Stuttgart hatte es in der Nacht zu Sonntag schwere Ausschreitungen gegeben. Festgäste und Polizisten waren aus einer Ansammlung von rund tausend jungen Menschen im Schlosspark heraus angegriffen worden, aus der Menge flogen Flaschen.

Außerdem wurden laut Polizei zwei Frauen begrapscht, bei den mutmaßlichen Tätern handele es sich um Flüchtlinge.

"Eskalation nicht vorhersehbar"

Den Opfern der sexuellen Übergriffe, einer 17-Jährigen und einer 25-Jährigen, sprach Oberbürgermeister Matthias Klopfer sein Mitgefühl aus: "Das ist kein Kavaliersdelikt", sagte der SPD-Politiker. Die beiden Frauen hatten sich gleich nach den Belästigungen bei der Polizei gemeldet und damit alles richtig gemacht, sagte Eisele. Es dürfe keine Scheu geben, solche Straftaten anzuzeigen.

In beiden Fällen war laut Eisele Alkohol im Spiel, ebenso wie bei den Angriffen im Schlosspark. "Alkohol ist ein Gewalttransmitter. Die Leute haben sich nicht mehr im Griff." Dennoch sagte Eisele: "Diese Eskalation der Gewalt war ohne Weiteres nicht vorhersehbar."

Vor den Krawallen hätten vor allem Abiturienten und Realschüler auf dem Volksfest der Stadt im Rems-Murr-Kreis gefeiert, sagte der Oberbürgermeister dem SWR. "Es war wie immer: Viele, viele Abiturienten und Realschüler haben bei uns im Schlosspark gefeiert. Und dann kam es nach Mitternacht zur Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen." Später seien auch Menschen mit Migrationshintergrund oder Asylbewerber hinzugekommen.

Bei den Ausschreitungen im Park hätten sich dann teils zuvor im Clinch liegende Gruppen gegen die Polizei solidarisiert. Dabei habe es keinen überdurchschnittlichen Anteil von Migranten in der Menschenmenge gegeben. In Schorndorf leben rund 40.000 Menschen. Die Gemeinde hat etwa 700 Flüchtlinge aufgenommen.

Zeugenaussagen, wonach kleine Gruppen mit Messern und Schreckschusspistolen in der Nacht zum Sonntag durch die Stadt gezogen seien, gehe die Polizei noch nach.

Auch bei einem Fest in Böblingen wurden sexuelle Übergriffe gemeldet. Eine Gruppe betrunkener afghanischer Asylbewerber war laut Polizei am Samstagabend am Rande eines Holi-Festivals aggressiv geworden. Während die Polizei den Sachverhalt aufnahm, hätten sich mehrere junge Frauen gemeldet, die von Mitgliedern der Gruppe unsittlich berührt und sexuell beleidigt worden seien.

apr/dpa/AFP

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