Schreckenskerker Opferfamilien protestieren gegen Abriss von Dutroux-Haus

Das Haus von Marc Dutroux wird nach dem Willen der belgischen Stadt Charleroi abgebrochen. Dort hatte der Kinderschänder mehrere Mädchen monatelang im Keller gefangen gehalten. Die Familien der Opfer sind dagegen - sie wollen das Gebäude als Mahnmal erhalten.


Charleroi/Brüssel - Das Haus mit dem Schreckenskerker des belgischen Kinderschänders Marc Dutroux soll abgerissen werden. Die Stadt Charleroi habe die Erlaubnis zur Enteignung des Gebäudes mit diesem Ziel erhalten, berichteten belgische Medien am Samstag. Aus den Opferfamilien kommt jedoch Kritik an den Plänen. Der Kinderschänder wurde wegen mehrfachen Mordes im Juni 2004 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

"Ich will, dass das Haus erhalten bleibt, um zu zeigen, wie teuflisch Dutroux war, wie die Mädchen eingesperrt wurden und wie unvorstellbar es war, dass die Polizeibeamten auf der Suche nach den Mädchen das Versteck übersehen konnten", zitierte die Zeitung "De Morgen" den Vater eines ermordeten Kindes. Das Haus symbolisiere auch die Entschlossenheit der Eltern, ihre Kinder zu finden.

Dutroux hatte mehrere Mädchen monatelang in einem winzigen Kerker im Keller des Hauses gefangen gehalten. Der Fall hatte international Aufsehen erregt, weil er massive Probleme der belgischen Polizei und Justiz ans Licht brachte und eine Staatskrise auslöste.

Der Täter kann gegen die Erlaubnis zur Enteignung seines Hauses noch Rechtsmittel einlegen. Tut er dies nicht, will die Stadt das Reihenhaus abreißen und an der Stelle einen Gedenkstein errichten.

Ein anderes Haus von Dutroux in Sars-la-Buissière, in dessen Garten der Mörder drei Opfer vergrub, hatte die dortige Gemeinde im Dezember ebenfalls mit dem Ziel des Abbruchs gekauft.

abl/dpa



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