Tödliche Schüsse an Heiligabend: "Eindeutig eine Falle"

William Spengler legte einen Brand in seinem Haus, wartete auf die Feuerwehr - und tötete zwei Helfer. Die Bluttat im Bundesstaat New York schockiert die USA. Über den Hergang werden immer neue Details bekannt. So benutzte Spengler das gleiche Waffenmodell wie der Amokläufer von Newtown.

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Webster - Über die grausame Tat eines gewalttätigen Ex-Sträflings im US-Staat New York gibt es weitere Details - eines davon könnte die Debatte über härtere Waffengesetze in den USA weiter anfachen. Der offenbar verwirrte William Spengler hatte die Feuerwehr in der Ortschaft Webster an Heiligabend in einen tödlichen Hinterhalt gelockt und zwei Helfer erschossen. Wie nun bekannt wurde, benutzte er dafür das gleiche Waffenmodell, das nur zehn Tage zuvor beim Amoklauf in Newtown verwendet worden war.

Es handelt sich dabei um eine Bushmaster Kaliber .223, ein Nachbau des seit Jahrzehnten von allen amerikanischen Teilstreitkräften verwendeten Sturmgewehrs M16. Sie kann zwar kein Dauerfeuer schießen, ist aber eine halbautomatische, das heißt selbst nachladende Waffe. Auch wenn der Schütze für jeden einzelnen Schuss den Abzug ziehen muss, kann ein 30-Schuss-Magazin innerhalb von einigen Sekunden leergeschossen werden.

Das Kaliber 5,56 Millimeter ist zwar vergleichsweise klein, aber zum Beispiel seit den neunziger Jahren auch das Standardkaliber der Bundeswehr. Eine Bushmaster gleichen Kalibers verwendeten auch die "Beltway Sniper". Die beiden Heckenschützen hatten 2002 in und um Washington mindestens zehn Menschen getötet.

Leichenteile und ein Abschiedsbrief

Die Tat des Webster-Todesschützen schockiert die USA. Der Mann hatte sein eigenes Haus und sein Auto angezündet und auf die Feuerwehr gewartet. Als die Helfer aus ihren Wagen stiegen, eröffnete er sofort das Feuer. Zwei Männer starben noch am Brandort, zwei weitere wurden verletzt. Der eine wurde bewusstlos gerettet, der andere konnte mit seinem eigenen Auto fliehen. Weil die Feuerwehr anfangs nicht löschen konnte, brannten sieben Häuser nieder. Die Anwohner mussten unter Polizeischutz gerettet werden. Nach den Schüssen auf die Feuerwehrleute tötete sich der 62-Jährige offenbar selbst.

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Feuerteufel von Webster: Tödliche Schüsse an Heiligabend
Der Brand war "eindeutig eine Falle", erläuterte der örtliche Polizeichef Gerald Pickering. "Leute, die mitten in der Nacht aufstehen, um ein Feuer zu bekämpfen, rechnen nicht damit, angegriffen und getötet zu werden", so Pickering. Der Brandstifter habe sich mit einem ganzen "Arsenal" an Munition und insgesamt drei Waffen verschanzt. Außer der halbautomatischen Bushmaster habe er einen Revolver und eine Schrotflinte benutzt. Er habe auf der Lauer gelegen und sich regelrecht "im Kampfeinsatz" befunden.

Der Mann war laut Polizei offensichtlich geistig verwirrt und vorbestraft. 1981 hatte er seine 92 Jahre alte Großmutter erschlagen und dafür 17 Jahre in Haft gesessen. Bis 2006 stand er unter Bewährung, danach liefen die Auflagen aus, und er stand nicht mehr unter Beobachtung. Seine Mutter, mit der er zusammenlebte, starb dieses Jahr. Polizisten, die das Haus nach den Schüssen durchsuchten, fanden weitere Leichenteile. Möglicherweise stammen sie von der fünf Jahre älteren Schwester des Schützen.

Aufgrund der starken Verbrennungen der Leiche muss die Identität der Toten gerichtsmedizinisch festgestellt werden. Außerdem war nicht klar, ob die Person bereits vor dem Brand starb oder erst später. Ein Nachbar sagte, der Täter habe seine Schwester gehasst. Beide hätten in getrennten Teilen des Hauses gelebt.

Widerstand der Waffenlobby

In dem Haus fanden die Ermittler auch einen drei Seiten langen getippten Brief, bei dem es sich um einen Abschiedsbrief handeln könnte. "Ich muss mich noch bereitmachen, um zu sehen, wie viel von der Nachbarschaft ich abbrennen kann, und um das zu machen, was ich am besten kann: Menschen töten", heißt es darin.

Die getöteten Männer waren freiwillige Feuerwehrleute. Der eine war 19 Jahre alt und noch neu bei der Feuerwehr. Der andere war ein 43 Jahre alter Polizist, der vor knapp zwei Monaten den Opfern des Supersturms "Sandy" geholfen hatte. Erst vor zwei Wochen hatte er den Titel "Feuerwehrmann des Jahres" bekommen. Der Mann hat drei Kinder. Sein Sohn ist selbst Feuerwehrmann.

Nach dem Schulmassaker von Newtown hatte US-Präsident Barack Obama versprochen, schärfere Waffengesetze zu prüfen - er bekommt allerdings heftigen Gegenwind von der Waffenlobby. Sie würden jegliche Einschränkung des Rechts auf ungehinderten Waffenbesitz bekämpfen, machten die Vorsitzenden der einflussreichen National Rifle Association (NRA) und ähnlicher Organisationen zu Wochenbeginn deutlich. Das Weiße Haus bezeichnete den Widerstand der Lobbyisten laut "Washington Post" als ernüchternd, es werde aber von seinen Vorhaben nicht abweichen.

Der Amoklauf von Newtown im Bundesstaat Connecticut hatte die aktuelle hitzige Diskussion über Waffengesetze losgetreten. Am 14. Dezember hatte ein 20-Jähriger in einer Grundschule in dem Ort 20 Erstklässler sowie sechs Erwachsene und schließlich sich selbst erschossen. Zuvor hatte er zu Hause seine Mutter getötet.

amz/AFP/dpa/dapd

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