Anschläge auf Autotransporter: BKA erhöht Belohnung auf 100.000 Euro

Diese Anschlagsserie stellt die Ermittler vor große Rätsel: Mehr als 700-mal wurde in den vergangenen Jahren auf Autotransporter geschossen - immer auf Autobahnen. Nun forciert das Bundeskriminalamt die Fahndung, auch weil die Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer wächst.

DPA

Wiesbaden - In der rätselhaften Serie von Schüssen auf Autotransporter verstärkt das Bundeskriminalamt (BKA) die Ermittlungen - und setzt zur Aufklärung auf Hinweise aus der Bevölkerung. BKA-Präsident Jörg Ziercke kündigte an, dass für Informationen zur Ergreifung des oder der Täter die Belohnung von bislang 27.000 auf 100.000 Euro erhöht werde.

Seit 2008 ist auf Deutschlands Autobahnen mehr als 700-mal auf Lastwagen geschossen worden. "Bis heute haben wir keinen konkreten Hinweis auf den oder die Täter", sagte Ziercke. "Wir müssen die Tatserie stoppen, damit nichts Schlimmeres passiert." Die bislang letzten Schüsse auf Autobahnen waren Anfang November in Leipzig an zwei aus Bayern kommenden Autotransportern festgestellt worden.

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Rätselhafte Serie: Schüsse auf Autotransporter
Der oder die Täter schlugen in der Vergangenheit besonders häufig auf den Autobahnen 3 bis 6, auf der A61 und der A8 in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zu. Aber nicht nur Deutschland sei von den Schüssen betroffen, so das BKA. Auch in Belgien, Frankreich und Österreich wurden Fälle registriert.

Klar ist inzwischen: Die Schüsse sind nicht vom Rand der Straße abgefeuert worden, jedoch in vielen Fällen aus derselben Waffe. Ballistische Auswertungen haben laut BKA ergeben, dass von einem erhöhten Punkt aus auf den fließenden Gegenverkehr geschossen wird. Womöglich handelt es sich um einen Lkw-Fahrer, der aus seinem Führerhaus feuert. Beschossen wurden überwiegend Autotransporter, die Neuwagen geladen hatten. Die Projektile drangen meist in die Karosserien der transportierten Fahrzeuge ein.

Autofahrerin am Hals getroffen

Bislang wurde eine Frau durch die Schüsse verletzt. Im November 2009 war eine Autofahrerin auf der A3 bei Würzburg am Hals getroffen worden, offenbar von einem Querschläger. "Es ist ein glücklicher Umstand, dass bislang nicht mehr Personen verletzt worden sind", so Ziercke. In Rheinland-Pfalz kam es auf der A61 bei Grafschaft zu einem gefährlichen Zwischenfall ohne Verletzte. Hier durchschlug das abgefeuerte Projektil zuerst eine Lärmschutzwand und dann die doppelverglaste Fensterscheibe eines Wohnhauses.

Laut Ziercke wird die Gefährdung mittlerweile höher eingeschätzt, weil der oder die Täter seit Juni 2012 ein größeres Kaliber verwendeten: Das Neun-Millimeter-Kaliber sei wesentlich gefährlicher, weil die Durchschlagskraft viel höher sei. Zwar werde nicht gezielt auf Menschen geschossen, Verletzungen und auch die Tötung von Menschen aber in Kauf genommen. Somit steige die Gefahr für den gesamten Verkehr auf deutschen Autobahnen.

Seit Oktober 2012 ermitteln 90 Beamte von BKA und Polizei gemeinsam in der "Besonderen Aufbauorganisation Transporter". Ein Problem dabei: Weil die Einschusslöcher meist erst beim Abladen der Wagen gefunden wurden, lässt sich nur schwer feststellen, wo die Schüsse abgefeuert wurden.

Das BKA bittet jetzt verstärkt die Bevölkerung um Mithilfe, unter anderem mit Plakaten und Handzetteln für Lkw-Fahrer. "Wir suchen Menschen, die Schüsse auf Autobahnen wahrgenommen haben oder Lkw-Fahrer kennen, die eine Waffe besitzen", sagte Ziercke. Hinweise könnten bei jeder Polizeistelle oder direkt beim Bundeskriminalamt abgegeben werden. Die Staatsanwaltschaften Koblenz und Würzburg führen bereits Ermittlungsverfahren gegen den oder die unbekannten Täter - unter anderem wegen versuchten Totschlags.

wit/dapd/dpa

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