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Prozess in Würzburg: Lkw-Fahrer muss sich für Schüsse auf Autotransporter verantworten

Einschussloch an Autotür: Nur durch Glück keine Toten Zur Großansicht
DPA

Einschussloch an Autotür: Nur durch Glück keine Toten

Mehr als 700-mal soll ein Lkw-Fahrer auf Autotransporter, andere Fahrzeuge und Gebäude geschossen haben. Dafür muss er sich von Montag an vor Gericht verantworten. Er soll aus Rache gehandelt haben.

Wiesbaden - Über Jahre soll ein 58 Jahre alter Lastwagenfahrer auf den Autobahnstrecken zwischen Köln, Frankfurt und Nürnberg Angst und Schrecken verbreitet haben. Mehr als 700-mal schoss er nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft von seinem Fahrerhaus aus auf vorbeifahrende Autos -nur durch Glück sei dabei niemand getötet worden. Nun soll der mutmaßliche Schütze dafür vor Gericht zur Verantwortung gezogen werden.

Am Montag beginnt der Prozess gegen den Mann. Die Anklage wirft ihm unter anderem mehrfachen versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung, unerlaubtes Führen von Schusswaffen, Sachbeschädigung und gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr vor. Das Bundeskriminalamt spricht von einem beispiellosen Fall der deutschen Kriminalgeschichte.

Der Fernfahrer soll indes die Schüsse den Ermittlern gegenüber eingeräumt und auch ein Motiv angegeben haben: Demnach sei er bei einer seiner Fahrten selbst durch einen Autotransporter fast von einer Straße abgedrängt worden. Daraufhin habe er sich entschlossen, anderen Lkw-Fahrern einen Denkzettel für ihr Fahrverhalten verpassen zu wollen.

Spätestens ab dem Jahr 2009 soll der gelernte Dreher auf Fahrten für seine Spedition auf andere Fahrzeuge geschossen haben. Die Kugeln galten dem Geständnis zufolge der Ladung oder dem Laderaum von Lastwagen. Teilweise beschoss er aber auch die Fahrerhäuser der Lkw oder Pkw. Die Waffen versteckte er im leeren Airbagfach seines Führerhauses oder in einem Kühlfach neben dem Fahrersitz.

Anschläge in James-Bond-Manier

Der Angeklagte soll sich im Laufe der Zeit immer weiter in seine Selbstjustiz hineingesteigert haben. Zu Beginn feuerte er laut Anklageschrift mit jeweils einem Schuss auf Autotransporter. Später habe er mehrmals hintereinander geschossen, außer Pistolen soll er in James-Bond-Manier auch einen Schieß-Kugelschreiber eingesetzt haben.

Ein Ende seines Feldzugs hatte er offenbar nicht geplant: Ermittler entdeckten in einer Hecke seines Hauses versteckt mehrere hundert Schuss Munition.

Neben mehreren Fahrern, an denen die Projektile knapp vorüberflogen, kam besonders knapp im November 2009 eine Frau auf der Autobahn A3 in Höhe der Rastanlage Würzburg-Süd mit dem Leben davon. Ein Schuss traf die Pkw-Fahrerin in den Hals und verletzte sie lebensgefährlich.

vks/AFP

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