Schüsse auf Profiboxerin Halabi: Rachsüchtiger Stiefvater muss sechs Jahre in Haft

Sechs Jahre - so lange wandert der Stiefvater und ehemalige Manager der Profiboxerin Rola El-Halabi hinter Gitter. Nach einem Streit hatte die Ulmerin den 44-Jährigen entlassen, er rächte sich, indem er auf sie schoss. Ob die junge Sportlerin je wieder boxen kann, ist fraglich.

Rola El-Halabi im Gerichtssaal (Archiv): Sechs Jahre für den Stiefvater Zur Großansicht
dapd

Rola El-Halabi im Gerichtssaal (Archiv): Sechs Jahre für den Stiefvater

Berlin - Seine Schüsse beendeten ihre Karriere - vielleicht für immer. Jetzt hat das Berliner Landgericht den Stiefvater der Profiboxerin Rola El-Halabi zu sechs Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 44-Jährige seine Stieftochter am 1. April dieses Jahres vor einem Weltmeisterschaftskampf in Berlin mit vier Schüssen in Hände und Beine schwer verletzte.

Dem Mann habe es nicht gepasst, dass seine Tochter anfing, ihr eigenes Leben zu leben, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Groß. "Er hatte ihr Leben bestimmt, er war der Chef und Macher." Eine Tötungsabsicht unterstellte das Gericht dem Stiefvater aber nicht. "Es handelt sich nicht um einen schwer kriminellen Täter, sondern um einen massiven Beziehungskonflikt", sagte Groß. Der Angeklagte habe eine "narzisstische" und "selbstbezogene" Persönlichkeit.

Der Stiefvater war lange auch der Manager der Boxerin. Er brachte sie zum Kampfsport, er lenkte ihre Karriere bis hin zur Weltmeisterschaft. Doch als sie sich in einen verheirateten Mann verliebte, kam es zum Bruch. Sie entließ ihn als Manager, darüber kam er nach Ansicht der Staatsanwaltschaft nicht hinweg.

Am 1. April schaltete der 44-Jährige zwei Sicherheitsleute vor der Kabine seiner Stieftochter aus, stürmte in den Raum, schickte Trainer und Betreuer mit gezogener Waffe hinaus - und feuerte viermal auf Halabi. Ein Kugel traf die rechte Hand, eine das Knie, zwei die Füße.

"Der 44-Jährige wollte Halabi so treffen, dass sie nie wieder boxen kann", hatte Oberstaatsanwalt Ralph Knispel in seinem Plädoyer gesagt. Der Angeklagte gestand die Schüsse, bestritt aber, gezielt gefeuert zu haben. "Ich weiß nicht, warum ich es tat, ich war nicht mehr ich", sagte er.

Das Gericht blieb mit dem Strafmaß knapp unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die eine Haftstrafe von sechs Jahren und zehn Monaten verlangt hatte.

Rola El-Halabi musste nach mehreren Operationen wochenlang im Rollstuhl sitzen. Zuletzt machte vor allem ihre rechte Hand noch Probleme, doch die 26-Jährige hofft nach wie vor auf eine Rückkehr in den Ring.

jbr/hut/dpa/dapd/AFP

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insgesamt 22 Beiträge
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1. Die...
cingulator 14.11.2011
...junge Frau tut mir sehr leid. Da macht jemand etwas aus seinem Leben, anstatt als Babymaschine und EinkaufstütenschlepperIn zu versauern, und dann das! Hoffentlich wird sie eines Tages wieder boxen können, ich würde es ihr gönnen.
2. .
Ragnarrök 14.11.2011
Zitat aus dem Artikel (unten) Der Vater sei ihr erbittertster Gegner geworden. Zitat Ende Es war ihr *Stief*vater. Niedergestreckt hört sich nach Niederschlag an. Wieso schreibt man hier nicht genau? Schließlich WEISS man es hier während z. B. bei den Neonazia..l... viel vermutet wird. Also bitte auch berichten das die Boxerin in Kniee, Füße und eine Hand geschossen wurde. http://de.wikipedia.org/wiki/Rola_El-Halabi#cite_note-0 Für 3 Menschen MUTWILLIG angeschossen (bei Fau Halabi absolut gezielt) ist das ein mildes Urteil. Gute Besserung an Frau Halabi. Ich hoffe das sie eines Tages wieder boxen kann. R. ps. Rachsüchtig ist m. E. der falsche Ausdruck. Dies würde bedeuten das Frau Halabi ihrem Stiefvater etwas angetan hätte. *DAS* ist nicht der Fall. Wenn ich das richtig erinnere war der Stiefvater sauer weil Frau Halabi ein Verhältnis mit einem (jedenfalls zu dem Zeitpunkt) verheirateten griechischstämmig / griechischen Mann hatte.
3. .
feuercaro1 14.11.2011
Ein Mensch, der, um einen anderen zu beherrschen, diesem Schmerzen, Leid und fast den Tod zufügt, dessen Zukunft versucht zu zerstören - gehört tatsächlich ins Gefängnis. Allerdings für mehr als sechs Jahre. Wenn es stimmt, dass der Täter eine narzisstische Persönlichkeit hat, wird sich auch nach sechs Jahren daran nichts geändert haben. Es ist damit zu rechnen, dass dieser Mann nach Verbüßung seiner Haftstrafe sich für die erlittene Schmach wiederum an der Frau rächen will. Für genau solche Menschen ist doch die Sicherungsverwahrung gedacht, oder?
4. Furchtbar!
telefunker 14.11.2011
Mir ist das extrem milde Urteil sehr schleiherhaft. Hätte eigentlich nur noch die Bewährung gefehlt... Für Steuerhinterziehung kommt der (kleine) Bürger schon mal fast genauso lange in Haft. Erschreckend, solche milden Urteile. Ein abschreckende Wirkung hat das nicht gerade.
5. x
munkelt 14.11.2011
Zitat von telefunkerMir ist das extrem milde Urteil sehr schleiherhaft. Hätte eigentlich nur noch die Bewährung gefehlt...
Ja. Unglaublich. Da schießt ein Stiefvater bewusst und ganz gezielt auf 4 Körperstellen am Körper seiner Stieftocher und kommt mit sechs Jahren, wenn er sich gut benimmt, sind das nur noch 4 Jahre, davon. Eigentumsdelikte werden härter bestraft als Gewaltverbrechen. Perfide ist das.
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