Kriminalprävention So schützen Sie sich vor Einbrechern

Dreißig Prozent mehr in Baden-Württemberg, deutlich mehr Taten bei Tageslicht in Schleswig-Holstein: Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist vielerorts in Deutschland gestiegen. Wie kann man sich schützen? Experten der Polizei geben Auskunft.

Eindringling in Wohnung (Symbolbild): Zahl der Einbrüche steigt in manchen Bundesländern rapide
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Eindringling in Wohnung (Symbolbild): Zahl der Einbrüche steigt in manchen Bundesländern rapide

Von Tanja Mokosch


Hamburg - In vielen Bundesländern ist die Zahl der Wohnungseinbrüche gestiegen, in Baden-Württemberg sogar um mehr als 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das geht aus Daten der Landeskriminalämter hervor. Die meisten Einbrecher seien Gelegenheitstäter, sagt Harald Schmidt, Kriminaloberrat der polizeilichen Kriminalprävention. "Ein Einbrecher geht irgendwo vorbei, sieht ein Haus, das Fenster ist gekippt, das Licht ist aus und dann wird probiert", sagt Schmidt.

Wie kann man sich gegen Einbrecher schützen? Oft reicht schon die Befolgung einfacher Verhaltensregeln:

  • Halten Sie die Fenster in Abwesenheit geschlossen. "Auch ein gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster", sagt Schmidt. "Da ist es egal, ob man nur mal für zehn Minuten zum Bäcker geht - weil auch diese zehn Minuten reichen."
  • Ziehen Sie Türen nicht bloß zu, sondern schließen Sie ab. Sonst ließen sich Türen in wenigen Sekunden öffnen, sagt Stefan Meder, Leiter der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle des Landeskriminalamtes Hamburg.
  • Lassen Sie besonders in Mehrfamilienhäusern Vorsicht walten. Auch die Eingangstür unten sollte immer geschlossen sein und nicht für jeden geöffnet werden. "Bevor man auf den Tür-auf-Knopf drückt, sollte man darauf achten, wer da ins Haus will und mal nachfragen, zu wem derjenige überhaupt will", sagt Schmidt.
  • Vermeiden Sie deutliche Signale für Abwesenheit. Einbrecher möchten meist nicht auf Bewohner treffen und halten nach leeren Wohnungen Ausschau. Also machen sie nicht unnötig auf lange Urlaube aufmerksam: nicht auf Facebook, nicht auf dem Anrufbeantworter und auch nicht per Zettel an der Haustür.

Grundsätzlich gilt: Die Wohnung sollte stets einen bewohnten Eindruck machen. Wer im Urlaub ist, sollte Vorkehrungen treffen.

  • Wer für längere Zeit weg ist, kann Nachbarn oder Freunde bitten, den Briefkasten zu leeren und ab und an nach dem Rechten zu sehen.
  • Technische Hilfsmittel suggerieren Anwesenheit. So helfen Meder zufolge zum Beispiel Zeitschaltuhren, die das Licht, die Rollläden oder sogar das Radio steuern.

Nachbarschaftshilfe spielt eine große Rolle

Nachbarschaftshilfe spielt generell eine große Rolle bei der Einbruchsprävention: "Wenn man in der Nachbarschaft etwas Verdächtiges beobachtet, sollte man die Polizei rufen", sagt Meder. Bürgerwehren, die sich in manchen Nachbarschaften bilden, sieht er kritisch: "Das kann schnell gefährlich werden. Ich würde absolut davon abraten, selbstständig einzugreifen."

Mechanische Sicherungen an Türen oder Fenstern helfen, Einbrecher abzuschrecken. Rund ein Drittel aller versuchten Einbrüche würden daran scheitern, so Schmidt. "Braucht ein Einbrecher länger als fünf Minuten, um hinein zu kommen, gibt er auf", sagt Meder. Er empfiehlt die Widerstandsklasse "RC2" für Sicherheitselemente in Türen und Fenstern. Die Klasse gewährleiste, dass es ein normaler Einbrecher nicht schafft, innerhalb von 15 Minuten ins Haus einzudringen. Alarmanlagen und Videoüberwachungen seien nur ergänzend sinnvoll. Laut Meder können Sie Einbrüche nicht verhindern, sondern nur melden und bei der Aufklärung helfen.

Wer sichergehen will, dass er sein Haus oder seine Wohnung bestmöglich vor Einbrechern geschützt hat, kann den Service einer Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in Anspruch nehmen. Den gibt es in den meisten Bundesländern, oft sogar kostenlos. Mitarbeiter der Beratungsstelle überprüfen dann Wohnungen und Häuser vor Ort auf ihre Einbruchssicherheit und geben Empfehlungen ab.



insgesamt 27 Beiträge
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wind_stopper 15.05.2014
1. Sicherheitsglas
Bei uns wurde vor ein paar Jahren eingebrochen. Die Dieben haben erst versucht die Gartentür auszuhebeln, als das nicht geklappt hat, haben die kurzerhand die Scheibe zerschlagen. Der Polizist meinte, dass man überrascht wäre, wenn man wüsste, wie leise und einfach Sicherheitsglas zerbricht. Es zerspringt in tausende kleine Teile und das macht kaum Krach. Da braucht man nicht einmal einen Hammer, etwas Druck mit einem Schraubendreher reicht schon aus und man ist drin. Da helfen auch die besten Schlösser nichts. Wenn jemand rein will, dann kommt er auch rein.
woodeye 15.05.2014
2. Warum dieser rapide Anstieg von Kriminalitaet ?
Selbst in vielen kleineren und mittleren Ortschaften Schleswig-Holsteins geschieht es systematisch und haeufig, seit Jahren schon. Es ist straeflich, auch von Spiegel-online, dass Ross und Reiter nicht benannt werden. Stattdessen (wieder und wieder) die Empfehlung "laeppischer Hausmittel", wie man sich gegen Einbrueche schuetzen kann. Warum gab es diese massenhaften Einbrueche frueher nicht ?
mischpot 15.05.2014
3. Die genannten Sicherheitshinweise
halten keine Diebe ab und werden ohnehin von den meisten Menschen instinktiv so gehandhabt. Der Normalbürger kann sich teure Sicherheitseinrichtungen nicht leisten. Politiker lassen sich das auf Steuerkosten bezahlen und verkaufen dann die Immobilie was der Steuerzahler finanziert hat stecken Sie sich dann in die eigene Tasche, das ist morderne Raubritterei wie z.B. von Herrn Ahlhaus in Hamburg http://www.abendblatt.de/hamburg/article125823939/Altbuergermeister-Ahlhaus-will-seine-Hamburger-Villa-verkaufen.html. Ansonsten bleibt nur die Überwachung per Kameras.
Kiste 15.05.2014
4.
Dank dieser Tipps (Tür abschließen, Fenster zu, keine Abwesenheitsnotiz an der Tür etc) weiß ich jetzt Bescheid und kann wieder ruhig schlafen. Allerdings sind wurde in meiner Nachbarschaft schon eingebrochen, während die Bewohner schliefen und sogar die wertvolle Uhr vom Nachtschrank geklaut.
Politmuffel? 15.05.2014
5. Super Idee
Okay, dann nehme ich mal richtig Geld in die Hand und mach mein Haus einbruchsicher!! Und das Land nimmt dann aber auch richtig Geld in die Hand und sorgt dafür, dass es genügend Polizei gibt. Und zwar nicht beim Blitzmarathon unseres "Landesaktionsministers" sondern auf Streife in Wohngebieten. Und die Justiz schöpft mal die rechtlichen Rahmen aus und läßt nicht alle laufen, die nicht schnell genug auf den Baum kommen. Solange keine ernstzunehmende Partei die innere Sicherheit "auf dem Zettel hat" wird das wohl nichts. Bisher immer nur Lippenbekenntnisse!
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