Entführung in Schweden Arzt sperrte Frau tagelang in Bunker ein

Ein schwedischer Arzt hat vor Gericht zugegeben, eine Frau betäubt, entführt und in einem selbstgebauten Bunker eingesperrt zu haben. Dort wollte er sie der Anklage zufolge jahrelang festhalten, um sich an ihr zu vergehen.


In Schweden hat ein Arzt zugegeben, eine Frau entführt und tagelang in einem Bunker festgehalten haben. Zudem soll der 38-Jährige beabsichtigt haben, die Frau jahrelang festzuhalten und sich an ihr zu vergehen. Die Anklage schließt nicht aus, dass der Mann auch versucht haben könnte, andere Frauen gefangen zu nehmen.

Zum Prozessauftakt in Stockholm gestand der 38-Jährige, die Frau betäubt und in einen schalldichten Bunker gebracht zu haben. Den Vorwurf der Vergewaltigung bestreitet er allerdings.

"Er hat gesagt, dass er sich manchmal gewünscht hat, Geschlechtsverkehr mit ihr zu haben", sagte Verteidigerin Mari Schaub. Getan habe der Mann, so behaupte er, dem Opfer nichts. Um auszuschließen, dass sie ansteckende Krankheiten habe, soll er Urinproben in dem Krankenhaus eingereicht haben, in dem er arbeitete.

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Schweden: Ein Bunker in der Scheune
"Er war die ganze Zeit unheimlich ruhig", sagte das Opfer laut "Dagens Nyheter" in einem Polizeiverhör. "Ich wusste nicht, was passieren würde - ob er mich töten, foltern oder vergewaltigen würde." Zwei bis drei Mal am Tag sollten sie künftig ungeschützten Sex haben, habe der Entführer ihr erzählt.

41.000 Euro Schadensersatz

Der Anwalt des Opfers sagte, seine Mandantin sei traumatisiert. Es sei eine große Belastung für sie, im Gericht ihrem Peiniger gegenübertreten zu müssen. Die Frau verlangt 380.000 Kronen (etwa 41.000 Euro).

Anwältin Schaub sagte, ihr Mandant bedaure seine Taten zutiefst. Er habe die Frau entführt, weil er traurig und einsam gewesen sei und sich nach einer Partnerin gesehnt habe. Eine Untersuchung ergab, dass der Mann nicht unter einer schwerwiegenden psychischen Krankheit leidet.

Den Bunker hatte der Mann bei seinem Haus in Südschweden gebaut. Laut Anklage muss der Mann Jahre gebraucht haben, den unterirdischen Raum fertigzustellen. Der Bunker ist von einer Scheune umgeben und dadurch von außen nicht zu erkennen.

Der Arzt hatte sein Opfer telefonisch kontaktiert. Er traf die Frau zu einem Date in ihrer Wohnung in Stockholm. Dort verabreichte er ihr am 12. September mit Betäubungsmittel versetzte Erdbeeren, Champagner und Saft.

Der Angeklagte habe sich bemüht, der Frau nicht wehzutun, sagte Verteidigerin Mari Schaub der Zeitung "Dagens Nyheter". "Andere hätten das Opfer vielleicht niedergeschlagen, es gefesselt und in den Kofferraum gelegt. Aber mein Mandant hat Empathie, er ist kein Psychopath." Bis zum 18. September schloss der 38-Jährige sein Opfer im Bunker ein, ehe er die Frau zur Polizei brachte.

"Als ihm klar wurde, dass sie von ihren Angehörigen vermisst wird, hat er sie freigelassen, aber er hoffte, dass sie den Wunsch verspüre, bei ihm zu bleiben", sagte Anwältin Schaub. "Sie war seine Traumfrau."

Bei der Polizei sollte die Entführte aussagen, dass es ihr gut gehe. Die Polizisten glaubten die Geschichte nicht und wurden skeptisch. Die Frau erzählte, was geschehen war. Darauf nahmen die Polizisten den Mann fest.

ulz/AP/dpa



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