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Schweden: Hobbyforscher wollte zu Hause einen Atomreaktor bauen

Ein skurriles Vorhaben könnte einen Hobbyforscher ins Gefängnis bringen: Der Schwede hat offenbar monatelang versucht, in seiner Wohnung einen Kernreaktor zu bauen - und brachte dann die Behörden selbst auf seine Spur.

Stockholm - Die Nachricht könnte einer Komödie entnommen sein: Ein naturwissenschaftlich interessierter Schwede hat mit radioaktiven Stoffen experimentiert, um in seiner Wohnung einen Kernreaktor zu bauen.

"Ich habe mich schon immer für Physik und Chemie interessiert und wollte herausfinden, ob es möglich ist, zu Hause Atome zu spalten", sagte der 31-Jährige der Nachrichtenagentur AP. Die Polizei nahm den Mann wegen des unerlaubten Besitzes von nuklearem Material fest, bei einer Wohnungsdurchsuchung hatten die Beamten Radium, Americium und Uran gefunden.

Der Verdächtige sagte, er habe die radioaktiven Elemente nur wegen seines Hobbys besessen. Über Monate habe er versucht, einen Kernreaktor zu bauen. In einem Internetblog über seine Experimente beschrieb der Mann, wie er in seinem Herd eine kleine Kernschmelze herbeigeführt habe.

Wenig später kam ihm offenbar der Gedanke, dass seine Kernversuche möglicherweise nicht ganz legal sein könnten und richtete eine Anfrage an die schwedische Atombehörde. Die schickte dem Mann die Polizei ins Haus. Sollte er verurteilt werden, droht ihm eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren.

In der Wohnung sei keine gefährlich erhöhte radioaktive Strahlung gemessen worden, teilte die Polizei mit. Dennoch hält der Mann seine Experimente mittlerweile für keine so gute Idee mehr. "Von jetzt an bleibe ich bei der Theorie", so der Hobbyforscher.

lgr/dapd

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1. Loriot lässt grüßen, oder: die besten Satiren schreibt das Leben
cassandros 03.08.2011
Zitat von sysopEin skurriles Vorhaben könnte einen Hobbyforscher ins Gefängnis bringen: Der Schwede hat offenbar monatelang versucht, in seiner Wohnung einen Kernreaktor zu bauen - und brachte dann die Behörden selbst auf seine Spur. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,778276,00.html
Zitat: "Opa Hoppenstedt besucht einen Spielzeugladen, um nach einem Weihnachtsgeschenk für sein Enkelkind Dicki zu sehen. Nachdem er aber weder über Geschlecht noch Alter des Enkelkindes Auskunft geben kann ..... empfiehlt ihm die Verkäuferin den Modellbaukasten "Wir bauen uns ein Atomkraftwerk", das Modell eines Atomkraftwerks zum Selberbauen, ....." aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten_bei_Hoppenstedts
2. Immerhin scheint er es geschafft zu haben,
Flugwuppich 03.08.2011
Die in seiner Wohnung gefundenen gefährlichen Substanzen gänzlich von messbarer Radioaktivität befreit zu haben...in seinem Ofen....da bekommt der Begriff "Yellow cake" doch eine ganz neue Bedeutung.....
3. Titellos glücklich!
kjartan75 03.08.2011
Zitat von cassandrosZitat: "Opa Hoppenstedt besucht einen Spielzeugladen, um nach einem Weihnachtsgeschenk für sein Enkelkind Dicki zu sehen. Nachdem er aber weder über Geschlecht noch Alter des Enkelkindes Auskunft geben kann ..... empfiehlt ihm die Verkäuferin den Modellbaukasten "Wir bauen uns ein Atomkraftwerk", das Modell eines Atomkraftwerks zum Selberbauen, ....." aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten_bei_Hoppenstedts
Äh, ja, daran musste ich auch denken. Nie im Leben wäre ich drauf gekommen, dass es tatsächlich einen gibt, der so etwas auch nur denkt selbst zu bauen.
4. Wie, glauben Sie denn,
Flugwuppich 03.08.2011
Zitat von kjartan75Äh, ja, daran musste ich auch denken. Nie im Leben wäre ich drauf gekommen, dass es tatsächlich einen gibt, der so etwas auch nur denkt selbst zu bauen.
Werden wohl auf die Schnelle die ganzen neuen russischen Reaktoren gebaut, die Notwendig werden, weil das Gas ja nun nach D verkauft werden soll (der Spiegel berichtete) ?
5. Michel aus Lönneberga und seine lustigen Streiche
cassandros 03.08.2011
Zitat von kjartan75Äh, ja, daran musste ich auch denken. Nie im Leben wäre ich drauf gekommen, dass es tatsächlich einen gibt, der so etwas auch nur denkt selbst zu bauen.
Man muss sich die Frage stellen, ob die ganze Meldung nicht auch eine Satire ist! Der Bastler soll Americium und Radium besessen haben. Woher hatte er diese Substanzen? Americium gibt es in der Natur überhaupt nicht, sondern entsteht ausschließlich als Nebenprodukt in Kernkraftwerken. So etwa bekommt man auch in Schweden nicht in der Apotheken oder im Baumarkt. Naturwissenschaftlich interessiert soll er sein. Interessiert vielleicht, aber sicher nicht bewandert, sonst hätte er nicht so herumdilettiert. Und - Zitat: "In einem Internetblog über seine Experimente beschrieb er, wie er in seinem Herd eine kleine Kernschmelze herbeigeführt habe." Was für eine Kernschmelze soll das gewesen sein? Eine Kirschkernschmelze. Uran und Americium schmelzen erst bei über 1400°C; da braucht man schon einen veritablen Hochofen! (aber vielleicht steht so etwas in der Villa Kunterbunt in der Küche) Radium schmilzt bei etwa 700°C. Selbst dafür reicht der Küchenherd nicht. Na, immerhin hat er keinen Kunstdünger untergemischt und die Küche gesprengt. Ente gut, alles gut.
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Kernreaktoren
Thermischer Reaktor
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In einem Kernreaktor kommt die Kettenreaktion durch Neutronen zustande, die bei der Kernspaltung entstehen und ihrerseits weitere Urankerne spalten. Dazu müssen sie allerdings abgebremst werden. Dazu ist ein sogenannter Moderator notwendig, bei dem es sich in den meisten thermischen Reaktoren um gewöhnliches Wasser handelt, manchmal auch um sogenanntes schweres Wasser oder Grafit.
Brutreaktor
In Brutreaktoren wird ein Gemisch von Uran- und Plutoniumoxid, der sogenannte Mox-Brennstoff, verwendet. Natürliches Uranerz besteht nur zu 0,7 Prozent aus dem spaltbaren Isotop Uran-235, den Rest macht das nicht spaltbaren Uran-238 aus. In einem Brutreaktor wird aber Uran-238 zu Plutonium-239 umgewandelt. In Wiederaufbereitungsanlagen kann das Plutonium abgetrennt und dann als Kernbrennstoff wiederverwendet werden. Auf diese Weise gewinnen Brutreaktoren aus dem vorhandenen Uran in etwa 30 Mal mehr Energie als Leichtwasserreaktoren.

Zur Kernspaltung werden nicht abgebremste, sondern schnelle Neutronen verwendet, weshalb auch vom "schnellen Reaktor" die Rede ist. Da sie allerdings mit geringerer Wahrscheinlichkeit neue Kernspaltungen auslösen, muss das Spaltmaterial im Vergleich zum thermischen Reaktor höher konzentriert werden - was wiederum dazu führt, dass es im Inneren von Brutreaktoren heißer wird als etwa in Leichtwasserreaktoren. Deshalb wird als Kühlmittel auch nicht Wasser, sondern in der Regel flüssiges Natrium verwendet.

Dies führt gemeinsam mit der enorm hohen Giftigkeit von Plutonium zu großen Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Brutreaktoren. Hinzu kommt das zusätzliche Risiko der Transporte von strahlendem Material zwischen den Schnellen Brütern, Aufbereitungsanlagen und thermischen Reaktoren.
Uran und Plutonium in Atomwaffen
DPA
Bei einer Uranbombe, wie sie die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg über Hiroshima gezündet haben, reichte es bereits, eine Halbkugel des spaltbaren Materials auf einen Dorn zu schießen, die zusammen die kritische Masse für eine Atomexplosion erreichten. Mit Plutonium aber funktioniert dieses sogenannte Kanonenprinzip nicht.

Terroristen müssten stattdessen zum technisch weit anspruchsvolleren Implosionsprinzip greifen: Um eine Kugel aus spaltbarem Material sind mehrere Schichten Sprengstoff angeordnet. Die Explosionsenergie komprimiert das Plutonium so stark, dass die erforderliche Dichte erreicht und die Kettenreaktion eingeleitet wird.

Ob Plutoniumdioxid aus einem Kernreaktor für eine solche Bombe geeignet wäre, hängt von mehreren Faktoren ab. "Für die Qualität für die Waffennutzung ist es zum Beispiel wichtig, wie lange der Brennstoff im Reaktor war", sagt der deutsche Atomexperte Egbert Kankeleit. Im Grunde müssten die Terroristen in der Lage sein, das Pulver in Plutoniummetall umzuwandeln. "Wer die entsprechenden chemischen Kenntnisse hat, kann das schaffen." Die größere technische Hürde sieht Kankeleit in der Konstruktion einer Implosionsbombe. "Aber wenn man Hilfe von der richtigen Seite bekommt, etwa aus Pakistan, wäre auch das kein Problem.

Atom- und Energiepaket
DPA
Es ist eine historische Entscheidung: Der deutsche Bundestag hat für den Atomausstieg bis 2022 und die Energiewende gestimmt. Ein Überblick über die acht verabschiedeten Gesetze.


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