Schweinefarm-Mordprozess Ermittler berichtet grausige Details

Köpfe im Gefrierschrank, Leichenteile in Plastikeimern - die Ermittler werden den Anblick wohl nie vergessen, der sich ihnen bei der Durchsuchung einer Schweinfarm nahe Vancouver bot. Zum Prozessauftakt gegen den mutmaßlichen Serienmörder Robert Pickton berichteten sie davon.


New Westminster - Staatsanwalt Derrill Prevett schilderte gestern Abend den Geschworenen in Vancouver, wie die Ermittler in einem Gefrierschrank auf Picktons Hof zwei gespaltene und tiefgefrorene Frauenköpfe sowie Hand- und Fußteile in Plastikeimern fanden. Nach seinen Angaben gestand der mutmaßlich schlimmsten Serienmörder in der Geschichte Kanadas einem Polizisten, der sich als Mithäftling ausgab, insgesamt 49 Menschen getötet zu haben. In dem ersten Verfahren muss sich Pickton wegen des Mordes an sechs Prostituierten verantworten.

Die beiden gefrorenen Frauenköpfe seien "längs in zwei Hälften getrennt" gewesen, sagte Staatsanwalt Prevett. Die Leichenteile wurden demnach in einer Kühltruhe in einer Werkstatt neben Picktons Wohncontainer auf dem Hof bei Vancouver gefunden. DNA-Tests hätten ergeben, dass es sich dabei um die Überreste von zwei der vermissten Frauen handelte. Beide Köpfe wiesen laut Prevett Schussverletzungen auf. Pickton habe sich vor dem vermeintlichen Mithäftling gebrüstet, noch einen weiteren Mord verüben zu wollen, um die "runde" Zahl 50 zu erreichen.

In monatelanger akribischer Suche hatte die Polizei das Grundstück Picktons mehrere Meter tief abgetragen und dabei Menschen- und Tierknochen sowie -zähne gefunden. Im Wohncontainer des Angeklagten stießen die Ermittler auf die DNA- und Blutspuren eines weiteren Opfers sowie auf eine Schusswaffe vom Kaliber .22, an deren Lauf ein künstlich nachgebildeter Penis befestigt gewesen sei.

Die makabren Einzelheiten der Morde hatte die Justiz bis gestern unter Verschluss gehalten, um die Jury nicht zu beeinflussen. Die zwölf Geschworenen hatte Richter James Williams bereits in der Auswahlrunde gewarnt, dass sie sich in den kommenden Monaten mit teils grauenvollen Einzelheiten auseinandersetzen müssten. Ihnen werden deshalb psychologische Berater zur Seite stehen. Ein Richter hatte bereits während der Ermittlungen im vergangenen Jahr von einem regelrechten Horrorfilm gesprochen.

Das erste Verfahren, bei dem es um dem Mord von sechs drogensüchtigen Prostituierten geht, wird vermutlich ein Jahr dauern. Später muss sich Pickton wegen Mordes an 20 weiteren Frauen verantworten. Er soll die 26 Frauen in einem Zeitraum von 25 Jahren ermordet haben. In Vancouver verschwanden zwischen 1978 und 2002 insgesamt 65 Frauen. Die Polizei ermittelt weiter. Die Staatsanwaltschaft schloss nicht aus, dass weitere Anklagen gegen Pickton hinzukommen. Der 57-Jährige plädierte auf nicht schuldig.

Der Angeklagte wurde mit einem Polizeikonvoi zum Gericht gefahren. Der in ein graues Hemd gekleidete Mann mit Halbglatze und schütteren langen Haaren betrat den Saal mit einem großen Aktenordner unter dem Arm. Wegen der umfangreichen Beweisaufnahme teilte Richter Williams den Prozess: Im ersten Teil sollen rund 240 Zeugen aussagen.

Pickton war im Jahr 2002 auf seinem Hof in Port Coquitlam östlich von Vancouver festgenommen worden, wo er Schweine züchtete und schlachtete. Auf seiner Farm wurden DNS-Spuren und persönliche Gegenstände von rund einem Dutzend vermisster Frauen gefunden. Die kanadischen Gesundheitsbehörden warnten die Öffentlichkeit, dass sich unter dem von Pickton verkauften angeblichen Schweinefleisch möglicherweise auch Menschenfleisch befunden haben könne.

Der Prozess findet ein breites Medieninteresse: Rund 350 Journalisten haben sich akkreditiert; laut örtlichen Presseberichten wollen zudem zwei ehemalige Prostituierte in einem eigenen Weblog über das Verfahren berichten.

jmk/ffr/AFP



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