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Nach Gefängnisausbruch: Schweizer Wärterin und Häftling in Italien gefasst

Hassan K. und Angela M. Zur Großansicht
DPA/ Kantonspolizei Zürich

Hassan K. und Angela M.

Eine Schweizer Gefängniswärterin verliebt sich in einen Häftling - und flüchtet mit ihm. Die Jagd nach dem Paar dauert sechs Wochen: Jetzt wurden beide in Italien gefasst.

Es war wohl ein Ausbruch aus Liebe: In der Nacht auf den 9. Februar verschwanden aus dem Untersuchungsgefängnis Limmattal in der Schweiz die Strafvollzugsbeamtin Angela M. und ein 27-jähriger Häftling.

Schnell teilten die Behörden mit: Die 32-Jährige hätte den Mann aus seiner Zelle befreit. Ihre Flucht wurde erst Stunden später bemerkt.

Wie genau ihnen die Flucht gelang, wohin sie gingen - die Schweizer Polizei veröffentlichte nur wenige Informationen. So hatte eine Kamera den schwarzen BMW von Angela M. an der schweizerisch-italienischen Grenze gefilmt. Sie nutzte demnach ihre Kreditkarte noch einmal in der Schweiz - dann verlor sich die Spur. Eine Flucht aus dem Gefängnis wie diese habe es in der Schweiz noch nie gegeben, hieß es aus dem Justizministerium.

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REUTERS

Gefängnis Limmattal

Doch die Schweizer Medien spüren dem Fall nach. Hassan K. war wegen Vergewaltigung zu vier Jahren Haft verurteilt worden, legte aber Berufung ein. Angela M. sei eine beliebte Kollegin gewesen, sagt der Gefängnisleiter Roland Zurkirchen der "Neuen Zürcher Zeitung".

Ein Angehöriger beschreibt die 32-Jährige dem Blatt als Frau mit "ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn", die eigentlich Polizistin werden wollte. Thaiboxen sei ihr Hobby gewesen, was sie offenbar mit Hassan K. verband. Sie sei ein großer Fan des Kampffilms "House of Flying Daggers" gewesen. Darin befreit ein Polizist eine Rebellin - und verliebt sich in sie.

Angela M. hatte sich erst vier Monate vor der Flucht von ihrem Ehemann getrennt und war bei einer Freundin untergekommen, berichtet die Boulevardzeitung "Blick". Seine Frau habe sogar ein Angebot gehabt, zur Polizei zu gehen, sich dann aber doch für das Gefängnis entschieden, sagte ihr Ehemann dem Blatt.

"Hassan ist der Mann meines Lebens"

Zunächst bleiben Angela M. und Hassan K. nach dem Ausbruch verschwunden. Zwei Wochen, vier Wochen, fünf Wochen.

Dann meldet sich Angela M. in einem Video, das dem Nachrichtenportal "20min" zugespielt wurde. Darin entschuldigt sie sich, an einem Küchentisch sitzend, bei ihrer Familie. Es tue ihr leid, dass sie so "klammheimlich" verschwunden sei. Und sie sagt: "Die Tat ist aus Liebe passiert. Hassan ist der Mann meines Lebens. Und ich habe noch nie einen so ehrlichen, gefühlvollen und lustigen Menschen wie ihn kennengelernt."

Nach anderthalb Monaten, wenige Tage nach der Videonachricht, wurden die beiden festgenommen. Das Paar sei am frühen Morgen in Italien in der Nähe von Bergamo in der Lombardei gefasst worden, teilte die Kantonspolizei mit. Demnach versteckten sich M. und K. in einer Wohnung. Auch der schwarze BMW wurde sichergestellt. Offenbar hat unter anderem das Video die Ermittler auf die Spur gebracht.

Die Staatsanwaltschaft will nun eine Auslieferung des Paars von Italien in die Schweiz beantragen. Erneut spekulieren die Schweizer Medien: Demnach könnte M. für drei Jahre ins Gefängnis wandern. K. droht keine weitere Strafe. Es ist nicht strafbar, sich aus dem Gefängnis zu befreien.

gam

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