Schweiz Vierfachmord von Rupperswil - Angeklagter muss lebenslang ins Gefängnis

Wegen vierfachen Mordes hat ein Schweizer Gericht einen Ex-Fußballjugendtrainer schuldig gesprochen. Der Mann hatte einen 13-Jährigen missbraucht und ihn sowie drei weitere Menschen getötet.

Gerichtszeichnung zeigt den Angeklagten (Mitte)
DPA/ Walter Bieri/ KEYSTONE

Gerichtszeichnung zeigt den Angeklagten (Mitte)


Ein ehemaliger Fußballjugendtrainer muss lebenslang ins Gefängnis - für den Vierfachmord von Rupperswil in der Schweiz. Richter Daniel Aeschbach ordnete zudem eine sogenannte Verwahrung und eine Therapie an, um die psychischen Störungen des Mannes zu behandeln.

Damit bleibt offen, ob und wann der Verurteilte wieder in Freiheit kommt. Lebenslang Verurteilte kommen in der Schweiz in der Regel nach 15 Jahren oder bei guter Führung noch eher frei. Die Verwahrung beginnt nach Ende der Haftstrafe. Sie wird für besonders gefährliche Straftäter ausgesprochen, um die Öffentlichkeit zu schützen. Je nach Erfolg der Therapie können Gerichte die Verwahrung eines Tages aufheben.

Der 34-Jährige hatte in dem Prozess zugegeben, kurz vor Weihnachten 2015 einen 13-Jährigen missbraucht und getötet zu haben. Zudem habe er die Mutter des Jungen, seinen Bruder und dessen Freundin umgebracht. Er überfiel die Familie in seiner Nachbarschaft in der Ortschaft Rupperswil zwischen Basel und Zürich.

Der Angeklagte sagte aus, der 13-Jährige habe ihn sexuell angezogen. Die Quälereien an dem Kind nahm der Mann laut Anklage mit dem Handy auf. "Die Videos waren das Schrecklichste, was ich im Leben anschauen musste", sagte Staatsanwältin Barbara Loppacher.

"Grausamstes Verbrechen der Schweizer Kriminalgeschichte"

Der Mann, der sich selbst als pädophil bezeichnet, war bis dahin polizeilich nicht auffällig und nicht vorbestraft. Den Ermittlungen zufolge soll er mindestens zwei weitere Taten nach gleichem Muster konkret geplant haben. Er bestritt diese Vorwürfe im Prozess.

Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft und anschließende Verwahrung des Angeklagten beantragt. Der Mann lebe in einer Fantasiewelt und sei deshalb zu gefährlich.

Die Anwälte der Opferangehörigen verlangen hohe Entschädigungen. Einer der Opferanwälte sprach von dem "grausamsten Verbrechen der Schweizer Kriminalgeschichte". Der 34-Jährige sei zynisch, berechnend, gefährlich und in seiner bekundeten Reue als unglaubwürdig zu betrachten, so das Plädoyer der Nebenklage.

Die Pflichtverteidigerin plädierte auf 18 Jahre Haft. Gutachter stellten eine narzisstische Persönlichkeitsstörung fest, die der Mann aber nach ihrer Auffassung mit einer mehrjährigen Therapie überwinden könne.

Der Richter bezeichnete den Täter als kaltblütig und skrupellos. Der Mann hatte sich als Mitarbeiter des schulpsychologischen Dienstes ausgegeben und so Zugang zum Haus der Familie verschafft. Er fesselte die anwesenden Brüder (13 und 19 Jahre) und die Freundin des Älteren, zwang die Mutter der Jungen, Geld von der Bank zu holen und brachte anschließend alle um.

Scharfe Worte fand Richter Aeschbach für die Verteidigerin des Täters, Renate Senn. Sie hatte mit ihrem Plädoyer Empörung ausgelöst. Der Richter nannte ihre Argumentation grotesk. Unter anderem hatte die Anwältin gesagt, die Opfer hätten ja versuchen können, Hilfe zu rufen oder sich zu wehren. Sie hätten das nicht getan und damit dem Täter in die Hände gespielt. Der Mann habe "nur" den Jungen missbrauchen wollen, das habe bloß 20 Minuten gedauert

wit/dpa



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