Missbrauch von Touristin in Indien: Alptraum am Taj Mahal
In Indien ist eine Schweizer Touristin von mehreren Männern missbraucht worden. Das Schweizer Außenministerium zeigte sich "tief bestürzt" und forderte die indischen Behörden dazu auf, "alles zu unternehmen, damit die Täter rasch ermittelt werden".
Madhya Pradesh - Die 39-Jährige war im Urlaub, mit ihrem Mann auf dem Fahrrad unterwegs nach Agra, wo sich das berühmte Taj Mahal befindet. Das Schweizer Paar hatte am Freitagabend das Zelt in einer Waldgegend im Bundesstaat Madhya Pradesh aufgebaut und wollte dort schlafen, als sich das brutale Verbrechen ereignete. Wie verschiedene Nachrichtenagenturen berichten, überfielen sieben bis acht Männer das Paar und überwältigten es. Mehrere der Männer missbrauchten anschließend die Frau.
Das Schweizer Außenministerium sei "tief bestürzt über den tragischen Vorfall in Indien, dem eine Schweizer Touristin und ihr Begleiter zum Opfer gefallen sind", heißt es in einer Stellungnahme des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Die Botschaft in Neu-Delhi und das Generalkonsulat in Mumbai betreuten jetzt, im Rahmen des konsularischen Schutzes, die Opfer. Dabei handelt es sich um Hilfeleistungen wie die Vermittlung zu Ärzten oder die Ausstellung von provisorischen Reisedokumenten, die Schweizer Bürger erhalten, die im Ausland in Notsituationen gekommen sind.
Außerdem forderte das Schweizer Außenministerium die indischen Behörden dazu auf, "alles zu unternehmen, damit die Täter rasch ermittelt werden und sich vor Gericht verantworten müssen". Die beiden Schweizer Vertretungen in Neu-Delhi und Mumbai standen in Kontakt mit den zuständigen Behörden, heißt es in der Stellungnahme. Aus Persönlichkeits- und Datenschutzgründen machte das Ministerium keine weiteren Angaben zum Vorfall selbst.
Auch der Oppositionschef von Madhya Pradesh, Ajay Singh, kritisierte die Tat scharf. Sie schade dem internationalen Ansehen des Bundesstaates, erklärte er. Bereits 2003 war eine 36-jährige Schweizer Diplomatin auf einem Parkplatz in Neu-Delhi von zwei Männern entführt und vergewaltigt worden. Kurz darauf kam sie frei. Bis heute wurde niemand im Zusammenhang mit der Tat verurteilt.
Mediziner bestätigten mehrfache Vergewaltigung
Das Urlauberpaar befand sich bei einem Dorf, als es überfallen wurde. Nach Aussage des Mannes überwältigten die Täter sie und schlugen mit Holzstöcken auf sie ein. Anschließend missbrauchten die Männer die Frau mehrfach und verschwanden mit den Wertsachen des Paares, wie die indische Polizei berichtet.
Die 39-Jährige kam in ein Krankenhaus in der Stadt Gwalior. Die Mediziner konnten die mehrfache Vergewaltigung nachweisen, berichtete der Sender NDTV. Auf einem Foto ist zu sehen, wie die Frau von Polizistinnen begleitet in der Klinik eintrifft. Ihr Gesicht ist verhüllt - eine in Indien vorgeschriebene Praxis, um die Opfer von Vergewaltigungen vor einer Stigmatisierung in der konservativen Gesellschaft zu schützen.
Bisher verhafteten die Behörden 13 Verdächtige, die mit dem Verbrechen in Verbindung stehen könnten, berichtet die Nachrichtenagentur AP und beruft sich dabei auf einen lokalen Polizisten. Sechs davon seien allerdings schon wieder entlassen worden.
Im Dezember hatte der Fall einer jungen Inderin weltweit für Erschütterung gesorgt, die in einem Bus in Neu-Delhi von sechs Männern vergewaltigt, mit einer Eisenstange gequält und schließlich aus dem fahrenden Bus geworfen worden war. Ihr Freund musste die Gewalttat mitansehen. Die Studentin wurde so schwer verletzt, dass sie wenige Tage später starb. Die Tat löste in Indien Massenproteste und eine Debatte über Gewalt gegen Frauen aus. Die Regierung verschärfte unter anderem das Sexualstrafrecht. Vergewaltigern droht jetzt die Todesstrafe, auch Voyeure und Stalker werden härter bestraft.
irb/AFP/AP/dpa/Reuters
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